Safed (hebräisch Tzfat) liegt 900 Meter über dem Meeresspiegel in Obergaliläa — die höchste Stadt Israels und eine der vier heiligen Städte des Judentums neben Jerusalem, Hebron und Tiberias. Im 16. Jahrhundert wurde die schon damals alte Bergstadt zum globalen Zentrum der jüdischen Mystik: Rabbi Isaak Luria, genannt Ha’Ari, Rabbi Joseph Karo und Rabbi Moshe Kordovero lebten und lehrten hier gleichzeitig, und die Kabbala-Texte, die hier entstanden, prägen das jüdische Denken bis heute. Heute ist Safed eine Doppelstadt: Am Sabbat eine Pilger- und Rückzugsdestination, unter der Woche ein lebendiges Künstlerzentrum.
Die Synagogen
Das Jüdische Viertel beherbergt mehrere historische Synagogen, alle fußläufig erreichbar.
Die Ha’Ari-Synagoge (Sephardisch, 16. Jahrhundert) ist die bedeutendste Stätte der Kabbala: Rabbi Isaak Luria soll hier gebetet und gelehrt haben. Das schlichte, blauweiß gestrichene Gebäude in einem Seitengässchen ist bewusst zurückgenommen — die Aura entsteht durch Assoziation und Stille. An Freitagabenden versammeln sich hier Gläubige zum Kabbalat-Schabbat-Gesang, einer der eindrücklichsten liturgischen Erfahrungen Israels.
Die Abuhav-Synagoge (15. Jahrhundert, sephardisch) ist für ihre symbolische Numerologie bekannt: Vier Säulen, vier Türen, vier Fenster — alles verweist auf den Tetragrammaton. Die Synagoge überstand das schwere Erdbeben von 1837, das weite Teile der Stadt zerstörte, unbeschadet; das wird bis heute als Wunder betrachtet. Das zentrale Toraschrank-Kunstwerk ist außergewöhnlich.
Die Karo-Synagoge (auch Beit Yosef) ist dem Lehrhaus von Rabbi Joseph Karo gewidmet, dem Verfasser des Schulchan Aruch — dem bis heute maßgeblichen Kodex des jüdischen Religionsgesetzes. Das Gebäude ist kleiner und schlichter als die anderen, dafür historisch hochbedeutend.
Dresscode: Männer bedecken den Kopf (Kippot an der Tür erhältlich), Schultern und Knie sind zu bedecken. Zu Gebetszeiten Diskretion wahren.
Das Künstlerviertel
Im ehemaligen arabischen Viertel der Stadt — nach dem israelischen Unabhängigkeitskrieg entvölkert, in den 1950ern von jüdischen Künstlern bezogen — hat sich das Künstlerviertel von Safed entwickelt: 30–40 Galerien in gewölbten Steingebäuden, teils mit Wohnateliers, teils mit Verkaufsräumen. Malerei, Skulptur, Keramik und Judaica; die Bandbreite ist groß.
Auf der Alkabetz-Straße findet sich Tzfat Candles: handgedrehte Hawdalah-Kerzen und Chanukka-Leuchter in leuchtenden Farben, ein Safed-Klassiker als Mitbringsel.
Der Alte Friedhof
Am Hang unterhalb des Jüdischen Viertels liegt der Alte Friedhof von Safed — Grabstätte der großen Kabbala-Gelehrten des 16. Jahrhunderts. Die Gräber von Ha’Ari und Rabbi Joseph Karo sind als Pilgerstätten markiert und werden von Gläubigen aus aller Welt besucht. Vom Friedhof aus öffnet sich ein weiter Panoramablick über die galiläische Berglandschaft und bei klarer Sicht bis zum Berg Meron.
Schabbat in Safed
Wer Freitagabend in Safed ist, erlebt eine der schönsten Schabbat-Atmosphären Israels: weiß gekleidete Familien schlendern durch die Gassen, in der Ha’Ari-Synagoge und an anderen Stätten wird Kabbalat Schabbat gesungen, die Altstadt beruhigt sich. Einkaufen und Restaurantbesuche sind Freitagabend bis Samstagabend nach Einbruch der Dunkelheit nicht möglich — Vorräte Donnerstag oder Freitagmorgen besorgen.
Sukkot-Fest
Im Oktober — um das Laubhüttenfest Sukkot herum — veranstaltet das Künstlerviertel ein Straßenfest mit Sonderausstellungen, Musikauftritten und verlängerten Öffnungszeiten. Früh buchen: Unterkünfte und Touren sind in dieser Woche ausgebucht.
Essen
Fast alle Restaurants in Safed sind koscher und daher freitags vor Schabbat früh geschlossen. Empfehlungen: Café Baghdad auf der Alkabetz-Straße (irakisch-jüdische Küche, herzhafte Eintöpfe), Falafelstände am Kikar HaMeginim (Löwenplatz) für Mittagssnacks, Lavan für einen Abendtisch mit Terrasse und Galilää-Panorama.
Anreise
Ab Haifa: Bus Linie 361, rund 75 Minuten; per Auto 65 km, 60–70 Minuten.
Ab Tiberias: Bus Linie 459 oder Sherut (Sammeltaxi), rund 45 Minuten; per Auto 35 km, 40–50 Minuten.
Ab Tel Aviv: Zug bis Nahariya (1 Stunde 45 Minuten), dann Bus 361 (45 Minuten); per Auto rund 2 Stunden.
Barrierefreiheit und Wetter
Die Altstadt besteht aus steilen Kopfsteinpflastergassen — Rollstühle und Kinderwagen sind schwierig; bequeme, rutschfeste Schuhe sind Pflicht. Die Höhenlage von 900 Metern bedeutet: kühler als das restliche Galiläa, im Sommer angenehm, im Winter mit möglichem Schneefall.
Kombinationen
Tiberias und See Genezareth: 45 Minuten bergab — ideal als Nachmittagsziel nach einem Safed-Morgen. Rosh Pina: charmantes Gründerdorf, 20 Minuten südlich. Banias-Wasserfall (Nationalpark Hermon): 50 Minuten nördlich. Akko: 60 Minuten westlich — Kreuzritter und Osmanen als historische Ergänzung.
Weitere Informationen: Galiläa-Reiseführer, Wandern in Israel, Tagesausflüge ab Tel Aviv, Bar- und Bat-Mizwa in Israel, Wasserwandern in Israel.