Wandern ist die am meisten unterschätzte Geschichte des israelischen Tourismus. Ein Land kleiner als Hessen vereint einen tausend Kilometer langen Nationaltrail, einen berühmten Pilgerweg durch Galiläa, Wüstencanons, mediterrane Wälder und ein Netz markierter Pfade, das die Israelis wie einen Nationalsport praktizieren. Das Wesentliche: die zwei großen Fernwanderwege, wann und wie man sie sicher begeht, und die besten Tageswanderungen.
Der Israelische Nationaltrail (Shvil Yisrael)
Der Israelische Nationaltrail — der Shvil — erstreckt sich über etwa 1.000 km (620 Meilen) vom Kibbuz Dan an der libanesischen Grenze bis ans Rote Meer bei Eilat und durchquert nahezu jede Landschaft des Landes. National Geographic nannte ihn einmal einen der besten Wanderwege der Welt, und das aus gutem Grund: In sechs Wochen wandert man von grünen Galiläa-Hügeln durch die Küstenebene, die judäischen Ausläufer und in die raue Wüste des Negev und der Eilat-Berge.
- Distanz: ~1.000 km, von Nord nach Süd (die meisten Wanderer gehen südwärts, zum Meer hin).
- Zeit: 45 bis 60 Tage für eine Durchquerung. Fast kein Reisender macht das auf einer normalen Reise — stattdessen wählt man Abschnitte aus.
- Markierung: der Dreifarbstreifen — weiß, blau und orange.
- Das Trail-Angel-Netzwerk: Freiwillige bieten Wanderern Wasser, eine Mahlzeit, eine Mitfahrt oder ein Bett an.
- Wasser: der entscheidende Faktor. Die südlichen Wüstenabschnitte haben kein natürliches Wasser — Durchgangswanderer verstecken Wasserreserven im Voraus.
Beste Abschnitte (ohne alle 1.000 km zu gehen)
- Der Norden (Galiläa und Golan): grün, mit Wasser, sanfteste Einführung — Quellen, Bäche und Hügellandschaften. Am schönsten im Frühling mit Wildblumen. Passt gut zu einem Galiläa-Aufenthalt.
- Mount Carmel (nahe Haifa): bewaldete Kämme mit Meerblick, geeignet für Mehrtagestouren oder lange Tagestouren nahe Haifa.
- Negev-Hochland und Ramon-Krater: das dramatische Herz der Wüstenabschnitte — Canyons, Krater, Stille. Spektakulär, anspruchsvoll, nur Herbst bis Frühling. Ausgangspunkt Mitzpe Ramon.
- Eilat-Berge (letzter Abschnitt): raue, farbenfrohe Wüste mit Ziel Rotes Meer. Nur in der kühlen Jahreszeit.
Der Jesus Trail
Der Jesus Trail ist Israels bekanntester Pilgerwanderweg: etwa 65 km (40 Meilen) von Nazareth nach Kapernaum am See Galiläa, entlang der Landschaften des Wirkens Jesu. Er ist ein weit zugänglicheres Unterfangen als der Shvil — die meisten Wanderer schließen ihn in 3 bis 4 Tagen ab und übernachten in Gasthäusern und Pensionen entlang des Weges, sodass man nur einen Tagesrucksack trägt.
- Distanz / Zeit: ~65 km in 3 bis 4 Tagen.
- Schwierigkeit: moderat — hügelige Galiläa-Landschaft, einige Anstiege, nichts Technisches.
- Höhepunkte: das alte Nazareth, die Hörner von Hattin, das Dorf Kana, der Kliffaussichtspunkt auf dem Berg Arbel über dem See Galiläa (eine der schönsten Aussichten Israels), und die christlichen Stätten am Seeufer — Kapernaum, der Berg der Seligpreisungen und Tabgha.
- Beste Zeit: Frühling und Herbst.
- Logistik: ausgeschildert, gut dokumentiert, mit Unterkünften entlang der Strecke — der zugänglichste Fernwanderweg des Landes.
Tageswanderungen — wenn man nur einen Tag hat
| Wanderung | Region | Ungefähre Dauer | Schwierigkeit |
|---|---|---|---|
| Ein Gedi (Wadi David zu den Wasserfällen) | Totes Meer | 1–3 Std. | Leicht bis moderat |
| Massada Schlangenweg (Sonnenaufgangsbesteigung) | Totes Meer | 45–60 Min. (Aufstieg) | Moderat bis anspruchsvoll |
| Berg Arbel Klippe | Galiläa | 1–2 Std. | Moderat |
| Banias / Hermon-Bach-Wasserfälle | Golan | 1,5–3 Std. | Leicht bis moderat |
| Ramon-Kraterrand und Trails | Negev | flexibel | Leicht bis anspruchsvoll |
| Karmel-Waldpfade | Haifa | 1–3 Std. | Leicht bis moderat |
Ein Gedi und der Sonnenaufgangsaufstieg auf Massada bilden das klassische Duo für einen großen Tag von Jerusalem oder dem Toten Meer aus.
Beste Reisezeit
- Frühling (März–Mai): die beste Allround-Saison — Wildblumen im Norden, angenehme Wüstentemperaturen, sprudelnde Quellen.
- Herbst (Oktober–November): das zweite Fenster, besonders für die Wüste.
- Winter (Dezember–Februar): gut für die südliche Wüste (kühl, klar); im Norden kann es kalt und nass sein, Wasserfälle führen viel Wasser.
- Sommer (Juni–September): früh morgens im kühleren Norden möglich; Negev und Eilat absolut meiden — die Hitze ist ernsthaft gefährlich.
Unser Führer zur besten Reisezeit für Israel bietet das vollständige Saisonbild.
Wasser, Sicherheit und Grundregeln
Wandern in Israel hat zwei unverhandelbare Regeln:
- Genug Wasser mitführen. Die Standardempfehlung ist etwa 1 Liter pro Stunde bei Hitze, mehr in der Wüste. Oft gibt es keine Nachversorgung. Wasser zu unterschätzen ist der häufigste — und gefährlichste — Fehler.
- Nie bei angesagtem Regen im Einzugsgebiet in ein Wadi (Trockenflussbett) oder einen Canyon einsteigen. Sturzfluten töten Wanderer in Israel in den meisten Wintern; der Regen kann Kilometer entfernt unter einem wolkenlosen Himmel fallen. Wettervorhersagen prüfen und Parksperrungen befolgen.
Weitere Essentials: bei warmem Wetter bei Tagesanbruch starten; Hut und Sonnenschutz tragen; offizielle Karten oder eine GPS-App mitführen; jemandem Route und geplante Rückkehrzeit mitteilen; Öffnungszeiten von Naturschutzgebieten prüfen — viele haben einen letzten Einlass. Im hohen Norden und in grenznahen Gebieten auf markierten Trails bleiben.
Wandertour planen
- Städtebasiert mit wenig Zeit? Tageswanderungen von regionalen Stützpunkten aus: Ein Gedi und Massada vom Toten Meer; Arbel, Banias und der beste Jesus-Trail-Tag von Galiläa.
- Einige Tage für einen langen Trail? Der Jesus Trail ist die einfachste Mehrtages-Verpflichtung; ein nördlicher oder Karmel-Abschnitt des Nationaltrails ist der nächste Schritt.
- Anreise: Ein Mietwagen ist für Trailheads in Galiläa, Golan und Negev fast unerlässlich. Siehe Transport für Alternativen.
- Wandern am Schabbat? Trails bleiben offen, aber der ÖPNV hält an — Auto einplanen.
Viele Abschnitte durchqueren INPA-Naturschutzgebiete und Nationalparks — der Israelische Nationalparkpass kann mehrere Eintritte auf einer Karte abdecken und bei drei oder mehr Parks erheblich Geld sparen.
Wasserwanderungen: das Nahal-Erlebnis
Eine ganze Kategorie israelischen Wanderns beinhaltet das Gehen in und durch fließendes Wasser — Durchwaten von Bachkorridoren, Schwimmen in Canyonbecken und das Verfolgen quellengespeister Schluchten durch Wüstenfelsen. Im Frühling oder Herbst gehören diese Wasserwanderungen zu den unvergesslichsten Outdoor-Erlebnissen des Landes. Lesen Sie den Führer zu Wasserwanderungen in Israel für die besten Nahal-Trails.