Nur wenige Gehminuten nördlich der Altstadtmauern bietet das Gartengrabs etwas Seltenes in Jerusalem: Stille. Dieser ruhige, begrünte Garten — mit einem in den Fels gehauenen Grab im Mittelpunkt — wird von vielen protestantischen Christen als möglicher Ort der Grablegung und Auferstehung Jesu verehrt und bildet einen kontemplativen Gegenpol zur belebten, von Weihrauch durchdrungenen Pracht der Grabeskirche.
Das Wichtigste auf einen Blick
| Eintritt | Kostenlos (Spenden willkommen); kostenlose Führungen auf Englisch und anderen Sprachen. |
| Öffnungszeiten | Mo.–Sa. ~08:30–12:00 und 14:00–17:30; sonntags geschlossen und an großen Feiertagen. Geschlossen in der Mittagspause. |
| Zeitbedarf | 45 Min.–1 Std.; länger bei Führung oder Gottesdienst. |
| Anreise | Conrad-Schick-Straße, Nablus Road. ~5 Min. Fußweg nördlich vom Damaskustor; neben dem Ostjerusalemer Busbahnhof (Nablus Road). |
| Beste Zeit | Wochentags am Vormittag für ruhige Stimmung; in der Osterwoche ist es durch Andachtsgruppen belebter. |
| Barrierefreiheit | Überwiegend flache, gepflasterte Gartenwege; der Bereich vor dem Grab ist rollstuhlgeeignet, obwohl die Grabkammer selbst eine Stufe am Eingang hat. Barrierefreie Toiletten vor Ort. |
Was ist das Gartengrabs?
Das Gartengrabs erlangte Bekanntheit im 19. Jahrhundert, als die felsige Böschung daneben — die manchen Augen an einen Schädel erinnert — als Golgatha, der „Schädelplatz” der Evangelienberichte, identifiziert wurde. Der britische General Charles Gordon machte diese Identifikation in den 1880er-Jahren bekannt, und der Ort wird gelegentlich noch Gordons Kalvarienberg genannt. Ein benachbartes Felsgrab vervollständigte das Bild für seine Befürworter, die seinen Standort „außerhalb der Stadtmauer” und „in einem Garten” nach den Evangelienbeschreibungen schätzten. Das Gelände wird heute von der Garden Tomb Association, einer britischen christlichen Vereinigung, betreut, deren Freiwillige die kostenlosen Führungen anbieten.
Wichtig für die Erwartungshaltung: Die meisten Gelehrten und die lange christliche Tradition bevorzugen die Grabeskirche, die seit mindestens dem 4. Jahrhundert verehrt wird, als historischen Ort. Der archäologische Fall des Gartengrabs gilt weithin als schwach, und das Grab selbst stammt wahrscheinlich aus einer früheren Periode als dem 1. Jahrhundert. Seine anhaltende Anziehungskraft ist andächtig und atmosphärisch und nicht beweiskräftig — ein Ort zum Nachdenken, Singen und Beten in ruhiger Umgebung. Beide Stätten sind besuchtswert für das, was jede bietet.
Was Sie sehen werden
- Das Grab — eine in den Fels gehauene Kammer mit einer Rinne für einen Rollstein, in die man hineinschauen kann. Eine schlichte Holztür trägt die Worte „Er ist nicht hier — denn er ist auferstanden.”
- Der Schädelhügel (Gordons Golgatha) — ein Aussichtspunkt über die Felswand oberhalb des Busbahnhofs, wo die „Schädel”-Merkmale noch erkennbar sind.
- Die Gärten — ruhige Terrassen, Bänke und eine große antike Zisterne mit Weinkelterei, die nach Ansicht der Befürworter auf einen wohlhabenden Gartenbesitzer hindeuten.
- Räume für Andacht — zahlreiche protestantische und evangelikale Gruppen halten hier Gottesdienste und Abendmahl, besonders rund um Ostern. Ein kleines Geschäft verkauft Bücher und Abendmahlsbedarf.
Gartengrabs oder Grabeskirche?
Beide Stätten ergänzen sich, und viele Besucher sehen beide. Die Grabeskirche ist die historische Stätte, seit siebzehn Jahrhunderten verehrt, von sechs christlichen Gemeinschaften geteilt und fast immer belebt und atmosphärisch — Weihrauch, Kerzenlicht, die Warteschlange am Edikulom. Das Gartengrabs ist eine Identifikation aus dem 19. Jahrhundert mit einem weit schwächeren archäologischen Beleg, aber es ist ruhig, grün und ungehetzt, und sein schlichtes, in den Fels gehauenes Grab vermittelt eine klarere Vorstellung von einem Grab des 1. Jahrhunderts als die vielfach überbaute Grabeskirche. Denken Sie an die Grabeskirche als historisches und liturgisches Zentrum und ans Gartengrabs als ruhigen Ort der Besinnung — nicht als konkurrierende Ansprüche.
Praktische Tipps
- Der Eintritt ist kostenlos (Spenden willkommen), mit kostenlosen Führungen der Freiwilligen — diese bieten echten Kontext und lohnen sich.
- Öffnungszeiten beachten. Es ist sonntags geschlossen und über die Mittagspause; am Vor- oder Nachmittag kommen. Die Grabeskirche öffnet dagegen deutlich früher und später.
- Es ist für Andacht bestimmt, daher angemessen kleiden und verhalten; Gruppen halten möglicherweise Gottesdienste ab, und Stille wird geschätzt.
- Anreise und Sicherheit. 5 Minuten Fußweg vom Damaskustor entlang der Nablus Road, neben dem belebten Ostjerusalemer Busbahnhof. Der Garten selbst ist umzäunt und bewacht; in den umliegenden Straßen dieselben vernünftigen Vorsichtsmaßnahmen wie in jedem belebten Verkehrsknotenpunkt walten lassen, und tagsüber zurückgehen.
- Mit der Grabeskirche kombinieren, um beide Traditionen zu erleben — sie liegen etwa 15 Gehminuten voneinander entfernt.