Der vollständige Reiseführer für Jerusalem
Jerusalem belohnt Reisende, die ihm Zeit geben. Auf einem einzigen Quadratkilometer schichtet die Altstadt vier Jahrtausende Geschichte — herodianische Paläste, Grabeskirche, Tempelberg und Klagemauer / Kotel — während die westlichen Stadtteile Weltklasse-Museen, lebhafte Märkte und späte Restaurantszenen bieten. Dieser praktische Reiseführer behandelt die wichtigsten Entscheidungen für einen ersten Aufenthalt von zwei bis vier Tagen: wann man kommt, wo man schläft, was man sieht und wie man sich fortbewegt.
Wann nach Jerusalem reisen
Die zwei lohnenswertesten Reisefenster sind März–Mai und September–November. Der Frühling bringt Mandelblüte in den judäischen Hügeln, angenehme Temperaturen in der Altstadt und das Zusammentreffen von Ostern und Pessach. Der Herbst bietet die Hohen Feiertage (Rosch Haschana, Jom Kippur, Sukkot) und goldenes Licht auf dem ockergelben Stein Jerusalems.
Der Sommer (Juni–August) ist heiß und trocken — Tageshöchstwerte von 30–32 °C, aber sehr niedrige Luftfeuchtigkeit, die die Hitze im Schatten erträglich macht. Frühe Morgenstunden für Sehenswürdigkeiten, Mittagspause im Inneren, Abende auf Dachbar-Terrassen sind das bewährte Muster. Der Winter (Dezember–Februar) ist mild, aber nass und gelegentlich schneereich — selten, aber spektakulär, wenn Jerusalem sich weiß färbt.
Der Schabbat (von Freitagabend bis Samstagabend) ist die wichtigste Planungsgröße: öffentliche Verkehrsmittel stehen still, jüdische Restaurants schließen, der größte Teil der Neustadt verstummt. Die christlichen und muslimischen Viertel der Altstadt bleiben geöffnet; Mamilla und die Ben-Yehuda-Straße füllen sich wieder nach der Hawdala.
Wo übernachten in Jerusalem
Jerusalem bietet fünf praktische Unterkunftsbereiche, jeder mit einer anderen Balance aus Atmosphäre und Komfort.
Innerhalb der Stadtmauern — Steingassen, Gebetsrufe im Morgengrauen, zehn Minuten zu Fuß zur Klagemauer / Kotel und zur Grabeskirche. Unvergleichliche Atmosphäre, aber eingeschränkter Zugang (nur Fußgänger durch die Tore) und wenige Restaurants am Abend.
Mamilla / Jaffa-Tor — der beste Kompromiss für einen Erstbesuch: Fünf-Sterne-Hotels, eine Fußgängerzone und direkter Zugang zur Altstadt wie zum westlichen Jerusalem.
Deutsche Kolonie / Baka — baumbestandene Wohnviertel, 15 Minuten per Straßenbahn vom Zentrum, Boutiquehotels in restaurierten Templer-Häusern, ideal für Aufenthalte von zwei oder mehr Nächten.
Mahane-Yehuda-Viertel — eine Straße vom Markt und den besten Abendlokalen der Stadt; sehr empfehlenswert für kulinarisch interessierte Reisende.
Ostjerusalem (Sheikh Jarrah / Damaskustor) — internationale Hotels, die von christlichen Pilgern frequentiert werden, günstiger und zu Fuß durch das Damaskustor in die Altstadt erreichbar.
Höhepunkte der Altstadt
Klagemauer / Kotel — die erhaltene Stützmauer des Zweiten Tempels, Judentums heiligster Gebetsort. Zugang kostenlos, rund um die Uhr, mit getrennten Bereichen für Männer und Frauen. Kippot aus Pappe werden am Eingang bereitgestellt. Der Freitagabend-Gottesdienst zum Empfang des Schabbats ist ein unvergessliches Erlebnis.
Grabeskirche — das bedeutendste christliche Heiligtum der Welt, an den traditionell als Golgatha und leeres Grab identifizierten Stätten errichtet. Von sechs christlichen Konfessionen gemeinsam verwaltet. Frühe Morgenstunden für ruhigere Bedingungen empfehlenswert.
Tempelberg — der drittheiligste Ort des Islam und Stätte des Salomonischen Tempels in jüdischer und christlicher Überlieferung. Die Esplanade (Zugang über das Magrabi-Tor) ist zu bestimmten Wochentagsstunden für Nicht-Muslime geöffnet, vorbehaltlich von Sicherheitsbeschränkungen durch den islamischen Waqf; das Innere des Felsendoms und der Al-Aqsa-Moschee bleibt Muslimen vorbehalten.
Via Dolorosa — die 14 Kreuzwegstationen führen vom Antonia-Palast durch das muslimische Viertel bis zur Grabeskirche. Die kostenlose franziskanische Prozession (freitags um 15:00 Uhr) ist für alle offen.
Jüdisches Viertel — herodianische Archäologie unter freiem Himmel, historische Synagogen und Blick auf die Tempelberg-Esplanade vom Hurva-Komplex aus.
Westjerusalem: Museen und Märkte
Yad Vashem — Israels Holocaust-Gedenkstätte und -Museum auf dem Herzlberg. Planen Sie mindestens einen halben Tag. Eintritt kostenlos; Reservierung in Stoßzeiten empfohlen.
Israel-Museum — archäologische Sammlungen (Schriftrollen vom Toten Meer im Schrein des Buches), Kunst und ein Stadtmodell Jerusalems im Maßstab 1:50 aus der Zeit des Zweiten Tempels.
Mahane-Yehuda-Markt — das gastronomische Herz der modernen Stadt. Tagsüber: Obst, Gewürze, Bäckereien; donnerstagabends und freitagmittags: maximales Treiben; abends unter der Woche: Bars und Restaurants in umgebauten Marktständen.
Tagesausflüge von Jerusalem
Totes Meer und Masada (1 Stunde mit dem Auto) — das klassische Ausflugsziel: Masada bei Sonnenaufgang oder per Seilbahn, danach Schwimmen im hypersalhaltigen Wasser von Ein Bokek. Bethlehem (30 Min. mit Sammeltaxi oder geführter Tour) — Geburtskirche und Krippe. Tel Aviv (30 Min. mit dem Hochgeschwindigkeitszug) — Strand, Alt-Jaffa und lebhafte Märkte als Gegenpol zur Intensität Jerusalems.