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Jüdische Genealogie-Reise nach Israel

Jüdische Genealogie-Reise nach Israel

By The Visit Israel Editorial Team · Last updated

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Israel beherbergt die bedeutendsten jüdischen Genealogie-Archive der Welt. Für die deutschsprachige Gemeinschaft — besonders für aschkenasische Familien mit Wurzeln in Osteuropa und für die wachsende jüdische Gemeinschaft in Deutschland (über 220.000 Gemeindemitglieder) — kann eine Israelreise Quellen erschließen, die anderswo nicht zugänglich sind.

Warum Israel für jüdische Genealogie?

Seit Ende des 19. Jahrhunderts, und massiv seit 1948, immigrierten Millionen Juden aus der Weltdiaspora nach Israel und brachten ihre Dokumente, Erinnerungen und Gemeinschaftstraditionen mit. Die israelischen Institutionen haben diese Archive systematisch gesammelt:

Für Familien aschkenasischen Ursprungs (Polen, Russland, Ukraine, Rumänien), sefardischen Ursprungs (Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen, Irak, Türkei) oder jemenitischer, ägyptischer und äthiopischer Herkunft bietet Israel einzigartige Ressourcen.

Schlüssel-Archive und -Institutionen

Yad Vashem — Gedenkstätte der Märtyrer und Helden des Holocaust

Adresse: Har Hazikaron, Jerusalem (westlich der Stadt, per Bus oder Taxi)

Namensdatenbank: kostenlos online abrufbar auf yadvashem.org — 4,8 Millionen Holocaust-Opfernamen. Gedenkblatt-Formulare (כַּף שֵׁם) ermöglichen Familien, Namen noch nicht erfasster Angehöriger einzureichen.

Forschungsarchive: Das Internationale Institut für Holocaust-Forschung (Hall of Names, Archivseite) verwahrt nicht digitalisierte Dokumente — Deportationslisten, Fotos, Briefe, Gemeinschaftsdokumente. Zugang nach Voranmeldung (mehrere Wochen im Voraus für seriöse Forscher einplanen).

Für deutschsprachige Familien: Die Archive umfassen Unterlagen zu deutschen jüdischen Gemeinden, Deportationen aus deutschen und österreichischen Städten sowie zu Familien aus dem deutschsprachigen Raum, die in die Vernichtungslager deportiert wurden. Die Arolsen Archives (Bad Arolsen) werden oft zusammen mit Yad Vashem referenziert und sind eng miteinander vernetzt.

ANU Museum / Beit Hatfutsot Genealogy Center

Adresse: Campus Universität Tel Aviv, Ramat Aviv

Sammlungen: Datenbanken weltweiter jüdischer Gemeinden (Synagogenregister, Mitgliederlisten, Fotos), Stadtadressbücher, Friedhofsregister, Archive großer jüdischer Organisationen.

Forschungsservice: Spezialisierte Forscher helfen nach Terminvereinbarung. Die Forschungssitzung dauert in der Regel 2–3 Stunden. Das Zentrum hat für Zehntausende Diaspora-Familien Dokumente identifiziert.

Online-Zugang: Ein Teil der Datenbank ist über bh.org.il vor der Reise einsehbar.

Nationalbibliothek Israel

Adresse: Givat-Ram-Campus, Jerusalem (Neubau 2023 eröffnet)

Genealogische Sammlungen: weltgrößte Sammlung von Yizkor-Büchern (ca. 700 physische Bände, Hunderte online digitalisiert), Zeitungen auf Jiddisch, Hebräisch, Ladino, Judeo-Arabisch und Judeo-Berbero, Archive sefardischer Gemeinden Nordafrikas, Mitgliederlisten von Landsmannschaften.

Für deutschsprachige aschkenasische Familien: Bedeutende Bestände zu Gemeinden aus Deutschland, Österreich, Polen, Russland und der Ukraine; Zeitungen wie Aufbau (New York) und jüdische Gemeindezeitungen aus dem deutschsprachigen Raum.

Zionistische Zentralarchive

Adresse: Avraham-Granot-Straße, Jerusalem

Sammlungen: Einwanderungsunterlagen aus Palästina seit 1882 (Alijot 1–5 und Mandatszeit), weltweite Zionistenorganisationen, Keren-Kayemeth-Akten, Unterlagen zu Landwirtschaftssiedlungen (Moshawot). Nützlich für Vorfahren, die vor 1948 nach Palästina eingewandert sind.

Staatsarchiv Israel

Adresse: Jerusalem (teils online unter archives.gov.il zugänglich)

Sammlungen: Osmanische Katasterunterlagen aus Palästina, Unterlagen der britischen Mandatsverwaltung, israelische Einbürgerungen seit 1948, Zivilstandsregister.

Forschungsvorbereitung vor der Abreise

6 Schritte vor der Abreise:

  1. Stammbaum anlegen: MyHeritage (israelisches Unternehmen mit vielen jüdischen und israelischen Dokumenten), FamilySearch oder Ancestry nutzen. Alle drei haben Vereinbarungen mit Yad Vashem und/oder spezifische jüdische Sammlungen.

  2. Dokumente digitalisieren: Fotos, Pässe, Geburts-/Heirats-/Sterbeurkunden, Briefe, Notizbücher. In Ihren Stammbaum importieren.

  3. Yad-Vashem-Gedenkblätter suchen: Auf yadvashem.org prüfen, ob Angehörige bereits erfasst sind. Falls nicht, können Sie ein Formular einreichen.

  4. Yizkor-Buch recherchieren: Prüfen, ob ein Yizkor-Buch für die Herkunftsstadt Ihrer Vorfahren existiert (yizkor.nypl.org). Falls ja, Reproduktion bestellen oder digitalisierte Version einsehen.

  5. Beit Hatfutsot kontaktieren: E-Mail an bh.org.il mit grundlegenden Familieninformationen (geografische Herkunft, Namen, Zeitraum). Das Center teilt mit, ob relevante Dokumente in seiner Datenbank existieren.

  6. Originalnamen sammeln: Ihre Vorfahren hatten Namen auf Hebräisch, Jiddisch, Arabisch, Polnisch oder Russisch je nach Herkunft. Diese Originalnamen sind für Archivrecherchen unverzichtbar.

Vorgeschlagener Reiseplan: 3 Tage Forschung in Jerusalem und Tel Aviv

Tag 1 — Jerusalem: Vormittag in Yad Vashem (Museum + Archivkonsultation nach Terminvereinbarung); Nachmittag in der Nationalbibliothek (Givat Ram) für Yizkor-Bücher und historische Presse.

Tag 2 — Jerusalem: Vormittag in den Zionistischen Zentralarchiven (Einwanderung vor 1948); Nachmittag Jüdisches Viertel der Altstadt und Ben-Zakkai-Synagogen (sefardisches Erbe Jerusalems).

Tag 3 — Tel Aviv / Ramat Aviv: Vormittag im ANU Museum / Beit Hatfutsot Genealogy Center (Forschungssitzung mit Spezialisten); Nachmittag Museum der Diaspora (Gemeindefoto-Sammlungen aus aller Welt).

Ergänzende Online-Ressourcen

Frequently asked questions

Wo ist der beste Ausgangspunkt für jüdische Familienforschung in Israel? +

Die Nationalbibliothek Israels (Givat Ram, Jerusalem) ist der umfassendste Ausgangspunkt: Sie verwahrt Millionen von Dokumenten der weltweiten Diaspora, Zeitungen auf Jiddisch, Hebräisch, Ladino, Judeo-Arabisch und anderen jüdischen Sprachen sowie Gemeinderegister, die seit Ende des 19. Jahrhunderts gesammelt wurden. Für Holocaust-Opfer ist Yad Vashem unerlässlich: Die Datenbank mit 4,8 Millionen Opfernamen ist online und vor Ort zugänglich; Forscher können vor Ort auch nicht digitalisierte Archivalien einsehen. Das ANU Museum (Museum des jüdischen Volkes) verfügt über ein eigenes genealogisches Forschungszentrum, das Beit Hatfutsot Genealogy Center. Die Zionistischen Zentralarchive (Jerusalem) verwahren Einwanderungsunterlagen aus der Zeit ab 1882.

Wie kommt man an die genealogische Datenbank des ANU Museums? +

Das ANU Museum (früher Beit Hatfutsot — Museum des jüdischen Volkes) befindet sich auf dem Campus der Universität Tel Aviv. Sein Genealogie-Zentrum ist vor Ort und online zugänglich (bh.org.il). Vor Ort helfen spezialisierte Forscher bei der Navigation durch weltweite jüdische Gemeindedatenbanken, Yizkor-Bücher, Synagogenregister und Fotoarchive. Planen Sie mindestens 2–3 Stunden für eine produktive Forschungssitzung. Das Zentrum empfängt rund 15.000 Besucher-Forscher pro Jahr; buchen Sie per E-Mail im Voraus einen Termin, besonders im Sommer.

Welche Unterlagen verwahrt Yad Vashem? +

Yad Vashem (Jerusalem) verwahrt über 280 Millionen Seiten Holocaust-bezogener Dokumente und 4,8 Millionen Opfernamen in seiner durchsuchbaren Datenbank. Die Archive umfassen: Gedenkblatt-Formulare (Zeugenaussagen von Überlebenden und Familien), Deportationslisten (Sonderkommando-Bücher, Auschwitz-Listen usw.), Judenrat-Archive, persönliche und Gemeindefotos, Kunstwerke und Briefe. Einige Dokumente sind nicht digitalisiert und erfordern eine Konsultation vor Ort im Archiv (Internationales Institut für Holocaust-Forschung, Jerusalem). Voranmeldung erforderlich; der Zugang ist kostenlos, aber die Forschungsarchive sind vom öffentlich zugänglichen Museum getrennt.

Sind osmanische Archive für ausländische Forscher zugänglich? +

Die osmanischen Archive aus der Zeit vor dem Mandat (vor 1917) verteilen sich auf mehrere Institutionen. Das Staatsarchiv Israels (Jerusalem, teils online unter archives.gov.il) verwahrt osmanische Kataster- und Verwaltungsunterlagen aus Palästina. Die Zionistischen Zentralarchive (Jerusalem) haben Akten zur vormandat-palästinensischen Einwanderung. Für tiefergehende Recherchen (Gerichtsakten, Volkszählungen, osmanische Grundbücher) wenden sich seriöse Forscher an die türkischen Staatsarchive (Devlet Arşivleri, Istanbul), von denen ein Teil auch online zugänglich ist. Das JNF-Programm (Keren Kayemeth LeIsrael) hat einige osmanische Grundbücher digitalisiert; den Archivdienst kontaktieren.

Was sind Yizkor-Bücher und wie kann man sie einsehen? +

Yizkor-Bücher (Gedenkbücher) sind Gedenkwerke, die nach dem Holocaust von Überlebenden einer untergegangenen jüdischen Gemeinde verfasst wurden — meist auf Jiddisch oder Hebräisch, manchmal auf Polnisch oder Rumänisch. Jedes Buch ist ein Denkmal einer Stadt oder eines Schtetls: Gemeindegeschichte, Einwohnerlisten, Überlebensberichte, Fotos. Sie sind oft die einzige Dokumentationsquelle für Kleingemeinden Osteuropas. Zugang: Das YIVO Institute (New York) hat Hunderte digitalisiert, verfügbar auf yivo.org. Die Nationalbibliothek Israels verwahrt die weltweit größte physische Sammlung von Yizkor-Büchern (ca. 700 Bände). Die New York Public Library und die Library of Congress haben ebenfalls bedeutende Sammlungen. Für sefardische Gemeinden aus Nordafrika (Marokko, Algerien, Tunesien) existieren analoge Gedenkwerke auf Französisch und Judeo-Arabisch — beim ANU Museum anfragen.

Wie bereitet man eine Genealogie-Forschung vor der Abreise vor? +

Je besser Sie vorbereitet ankommen, desto produktiver wird Ihre Forschung in Israel. Empfohlene Schritte vor der Abreise: (1) Erstellen Sie einen möglichst vollständigen Stammbaum mit einem Online-Tool (Ancestry, MyHeritage, FamilySearch — alle haben israelische und jüdische Sammlungen); (2) Digitalisieren und sortieren Sie alle vorhandenen Familiendokumente (Fotos, Briefe, Pässe, Geburts-/Heirats-/Sterbeurkunden); (3) Überprüfen Sie die Yad-Vashem-Datenbank online nach bereits eingereichten Gedenkblättern für Ihre Angehörigen; (4) Recherchieren Sie, ob ein Yizkor-Buch für die Herkunftsstadt Ihrer Familie existiert (yizkor.nypl.org); (5) Kontaktieren Sie das Beit Hatfutsot Genealogy Center per E-Mail für Ihren Besuch; (6) Stellen Sie Originalnamen zusammen: in Hebräisch, Jiddisch, Polnisch, Russisch oder Arabisch je nach Familienzweig — Transkriptionen variieren stark.

By The Visit Israel Editorial Team · Last updated