Die Nationalbibliothek Israel — die offizielle Nationalbibliothek des Landes und eine ihrer bedeutendsten Kulturinstitutionen — bezog 2023–2024 ihr neues Gebäude in Jerusalem, entworfen vom Schweizer Büro Herzog & de Meuron. Das Ergebnis ist eines der architektonisch bemerkenswertesten öffentlichen Gebäude des Landes: ein mit Jerusalemer Kalkstein verkleideter Bau, der sich im Innern zu einer radialen Anordnung öffnet, die von den Architekten — nach dem Aufschnitt eines Granatapfels — inspiriert wurde.
Für DACH-Besucher ist der Name Herzog & de Meuron vor allem mit der Elbphilharmonie Hamburg (2017) und dem Kunstmuseum Basel (2016) verbunden — Projekte, die denselben Fokus auf natürliches Licht und funktionale Geometrie zeigen, der sich in diesem Jerusalemer Bau wiederfindet.
Die Bibliothek verwahrt mehr als fünf Millionen Bücher, über 50.000 Manuskripte (darunter einige der ältesten überlieferten hebräischen Manuskripte der Welt), das persönliche Archiv von Albert Einstein (von Einstein selbst der Hebräischen Universität Jerusalem vermacht), die Privatbibliothek des Kabbala-Gelehrten Gershom Scholem, umfangreiche jüdische Musikarchive und historische Dokumente aus jüdischen Gemeinden vom Jemen bis Polen und Marokko. Die Bibliothek ist ein bedeutendes Forschungsziel — und in ihrem neuen Bau eine eigenständige Touristenattraktion.
Das Gebäude: was man wissen muss
Das Gebäude mit seinen langen horizontalen Kalksteinplatten, die auf den Givat-Ram-Campus verweisen, gibt sich außen kontrolliert zeitgenössisch. Im Innern öffnet sich der Raum: Der zentrale Lesesaal ist radial organisiert, Bogenreihen von Regalen und Arbeitsplätzen entfalten sich von einem Mittelpunkt. Natürliches Licht fällt durch sorgfältig platzierte Öffnungen. Der Effekt ist ruhig und geordnet — und für jene, die Zeit in den antiken Steinbauten der Stadt verbracht haben, im Dialog mit ihnen, ohne sie nachzuahmen.
Das Gebäude beherbergt außerdem Ausstellungsgalerien, ein Café und öffentlich zugängliche Bereiche, die keine Leser-Registrierung erfordern.
Was die Öffentlichkeit besichtigen kann
Öffentliche Bereiche: Haupteingangshalle, öffentliche Ausstellungsgalerien und Gemeinschaftsflächen des Gebäudes stehen allen Besuchern offen. Für einen allgemeinen Besuch während der Öffnungszeiten ist keine Registrierung erforderlich.
Wechselausstellungen: Die Bibliothek zeigt wechselnde Ausstellungen aus eigenen Beständen — seltene Manuskripte, historische Karten, Musiknoten, Archivfotografien, Briefe und Objekte. Inhalte variieren; die Bibliothekswebsite vor dem Besuch prüfen.
Lesesäle: Der Zugang zu physischen Beständen — Manuskripte, Bücher, Archivboxen — ist registrierten Forschern vorbehalten und erfordert eine Vorregistrierung auf nli.org.il/en/visit. Spontaner Zugang zu Lesesälen ist nicht möglich.
Führungen: Englischsprachige Führungen werden an bestimmten Tagen je nach Verfügbarkeit angeboten. Aktuellen Zeitplan auf nli.org.il prüfen.
Fotografie: In öffentlichen Bereichen erlaubt. In Lesesälen nicht erlaubt.
Die Sammlungen: was man kennen sollte
Hebräische Manuskripte: Die Bibliothek besitzt eine der größten hebräischen Manuskriptsammlungen der Welt, darunter illuminierte mittelalterliche Kodizes und liturgische Texte aus zwölf Jahrhunderten jüdischer Literaturproduktion auf drei Kontinenten.
Das Einstein-Archiv: Albert Einstein vermachte seine persönlichen Papiere — Korrespondenz, wissenschaftliche Manuskripte, unveröffentlichte Notizen — der Hebräischen Universität Jerusalem, die sie über die Nationalbibliothek verwaltet. Das Archiv enthält mehr als 80.000 Dokumente. Ausgewählte Stücke sind ausgestellt oder digital über das Online-Portal der Bibliothek zugänglich.
Die Gershom-Scholem-Bibliothek: Die Sammlung von Gershom Scholem (1897–1982), Begründer der modernen Erforschung jüdischer Mystik und Kabbala, wurde der Nationalbibliothek vermacht und ist eine wichtige Ressource für Spezialisten jüdischer Esoterik und kabbalistischer Tradition.
Jüdische Musikarchive: Die Tonarchive der Bibliothek enthalten Aufnahmen und Noten jüdischer Musiktradtionen weltweit — liturgisch, folkloristisch, Jiddisch-Theater und frühes israelisches Popularlied.
Genealogiedokumente: Die Bibliothek verwahrt jüdische Gemeinschaftsarchive — Zeitungen, Landsmannschaftspublikationen, Yizkor-Bücher (Gedenkbücher) und Gemeinderegister regionaler jüdischer Gemeinschaften — wertvoll für diasporische Genealogierecherche.
Adresse: 1 Eliezer Kaplan Street, Jerusalem (Givat-Ram-Campus, angrenzend an die Knesset). Gut ausgeschildert vom Ruppin Boulevard.
Anreise: Jerusalemer Stadtbahn (Linie 1) bis Haltestelle Knesset, dann 5 Gehminuten bis zum Bibliothekseingang. Mit dem Auto steht auf dem Givat-Ram-Campus ein Parkplatz zur Verfügung (begrenzte Plätze; früh ankommen).
Öffnungszeiten: Sonntag bis Donnerstag geöffnet. Öffnungszeiten saisonabhängig — auf nli.org.il/en/visit vor dem Besuch prüfen. Freitags, samstags, an jüdischen Feiertagen und israelischen Gedenktagen geschlossen.
Eintritt: Öffentliche Bereiche einschließlich Ausstellungen kostenlos. Einzelne Sonderausstellungen können einen separaten Eintritt haben. Der Zugang zu Lesesälen erfordert eine (kostenlose) Voranmeldung.
Sprache: Website und die meisten Besucherinformationen der Bibliothek zusätzlich auf Englisch verfügbar. Englischsprachiges Personal am Empfang.
Einen Tag auf dem Givat-Ram-Campus planen
Die Nationalbibliothek ist Teil eines Ensembles bedeutender Kulturinstitutionen Jerusalems, die zusammen den Givat-Ram-Campus bilden — eines der dichtesten Konzentrationen ernsthafter Kulturinfrastruktur des Landes. Praktischer Tagesplan:
Vormittag (3 Stunden): Nationalbibliothek Israel — bei Öffnung ankommen für Architektur und Ausstellungen; Zeit für die Katalogterminals in öffentlichen Bereichen einplanen, wenn die Sammlungen von Interesse sind.
Mittag: Spaziergang im Wohl-Rosengarten (die baumgesäumte Allee, die die Bibliothek mit dem Israel-Museum verbindet), mit Halt im Bloom Garden für die Aussicht auf die Kalkstein-Fassade der Bibliothek.
Nachmittag (4–5 Stunden): Israel-Museum — das Heiligtum des Buches (mit den Schriftrollen vom Toten Meer) und das Modell des Jerusalemer Tempels der Zweiten Tempel-Periode sind unverzichtbar. Archäologie- und Impressionismus-Flügel beanspruchen zusätzliche Stunden. Den Jerusalem-Tagesplan für Planungstipps beachten.
Optional: Die Knesset (israelisches Parlament) liegt 5 Gehminuten vom Bibliothekseingang entfernt; öffentliche Führungen sind an bestimmten Wochentagen verfügbar (auf knesset.gov.il nach aktuellem Programm suchen).
Für wen eignet sich dieser Besuch?
Die Nationalbibliothek spricht besonders Besucher an, die sich interessieren für:
- Jüdische Geistesgeschichte — die Bibliothek ist Hüterin der über drei Jahrtausende angesammelten Texttradition des Weltjudentums
- Architektur — der Herzog-&-de-Meuron-Bau lohnt einen Besuch unabhängig von den Ausstellungen; er ist eines der gelungensten neuen Bauwerke Jerusalems
- Genealogierecherche — die Bestände an Gemeinde-Registern, regionalen Zeitungen und Landsmannschaftspublikationen machen die Bibliothek zu einer der Schlüsselressourcen für jüdische Genealogie in Israel
- Buchkultur und seltene Manuskripte — Wechselausstellungen präsentieren regelmäßig Stücke aus der Manuskriptsammlung, die anderswo selten zugänglich sind
- Architekturfotografie — die Innenraumgeometrie des Lesesaals und das Spiel des Tageslichts durch gerahmte Steinöffnungen bieten bemerkenswerte fotografische Möglichkeiten
Dies ist in erster Linie kein Kinderziel und eignet sich am besten für Besucher, die sich in einem ruhigen, intellektuell orientierten Umfeld wohlfühlen.
Siehe auch: Israel-Museum Jerusalem · 1 Tag in Jerusalem