Das Bahá’í-Weltzentrum ist eines der meistbesuchten Reiseziele Israels und eines der am wenigsten verstandenen von Erstbesuchern. Die Terrassengärten, die den Berg Karmel hinab zum Meer kaskadieren, sind auf den ersten Blick unter den schönsten Kulturlandschaften des Nahen Ostens. Hinter der Geometrie steckt ein lebendiges internationales Religionszentrum — die heiligsten Stätten des Bahá’í-Glaubens, der weltweit fünf bis acht Millionen Anhänger zählt.
Dieser Guide deckt sowohl die Haifaer Stätten (die 19 UNESCO-Terrassen und den Schrein des Báb) als auch die Akkoer Stätten (der Schrein von Bahá’u’lláh in Bahjí und der Ridván-Garten) ab.
Kurzer Hintergrund: Der Bahá’í-Glaube
Der Bahá’í-Glaube begann im 19. Jh. in Persien. Der Báb (wörtlich „das Tor”) — Ali Muhammad (1819–1850) — verkündete 1844 einen neuen religiösen Zyklus. Sein Anhänger Bahá’u’lláh (1817–1892) wurde zur Zentralfigur des Glaubens und lehrte die Einheit Gottes, die Einheit der Religionen und die Einheit der Menschheit. Bahá’u’lláh wurde von den osmanischen Behörden verbannt und 1868 in der befestigten Stadt Akko inhaftiert; er blieb bis zu seinem Tod 1892 in oder nahe Akko. Diese Geschichte erklärt, warum die heiligsten Stätten des Glaubens in Nordisrael und nicht im Iran liegen, wo die Religion entstand.
Die UNESCO schrieb die Bahá’í-Heiligen Stätten in Haifa und dem westlichen Galiläa — sowohl Haifaer Terrassen als auch Akkoer Schreine umfassend — 2008 als Welterbe ein.
Die Haifaer Stätten
Bahá’í-Terrassengärten
Die 19 Terrassengärten sind das Herzstück des Haifaer Weltzentrums. Sie erstrecken sich ca. 850 Meter den Nordhang des Berges Karmel hinab vom Yefe-Nof-Aussichtspunkt am Gipfel zur Deutschen-Kolonie-Allee am Meeresspiegel. Das Design des kanadischen Architekten Fariborz Sahba (fertiggestellt 2001) richtet jeden Brunnen, jede Treppe und jede Hecke auf einer perfekten Nord-Süd-Achse aus — eine Achse, die auch auf den Schrein von Bahá’u’lláh in Akko zeigt.
Kostenlose geführte Touren der 19 vollen Terrassen sind die lohnendste Besuchsweise. Touren fahren Sonntag bis Freitag ab, starten typischerweise um 09:00 vom oberen Eingang (Eingang von Yefe Nof Straße, erreichbar von der Karmelit-Oberbahnstation). Sie dauern ca. 75–90 Minuten und umfassen den Schrein des Báb (Außenbereich); Freiwillige leiten die Tour. Voranmeldung erforderlich — über bahai-haifa.org mindestens 24 Stunden vor dem gewünschten Datum buchen. Touren füllen sich schnell in Frühling und Sommer.
Selbstgeführtes Gehen auf den unteren und mittleren Terrassen ist während der öffentlichen Öffnungszeiten möglich (ca. Sonntag bis Donnerstag 09:00–17:00; Freitag 09:00–13:00). Diese Abschnitte bieten ausgezeichnete Ausblicke auf die formale Gartengeometrie und die goldene Kuppel des Schreins. Fotografieren der Gärten, des Schrein-Außenbereichs und der umgebenden Architektur ist willkommen; Fotografieren innerhalb des Schreins des Báb ist nicht gestattet.
Was tragen und mitbringen:
- Bescheidene Kleidung (Schultern und Knie bedeckt) ist erforderlich; wird am Eingang durchgesetzt
- Rutschfeste Schuhe: Die Terrassen sind poliert und steil; der Stein kann nach Tau oder Regen sehr rutschig sein
- Sonnenschutz und Wasser im Sommer; eine Jacke im Winter (die Höhe ist merklich kühler als die Innenstadt Haifas)
Schrein des Báb
Der Schrein des Báb steht am Mittelpunkt der 19 Terrassen — das achteckige weißmarmorne Gebäude mit der vergoldeten Kuppel, die zum Symbol Haifas geworden ist. Die Überreste des Báb wurden 1909 hier beigesetzt, nachdem sie nach seiner Hinrichtung in Tabriz 1850 heimlich aus Persien verbracht worden waren. Die goldene Kuppel des Schreins wurde 2001 als Teil des Gesamtgartenprojekts fertiggestellt. Der Außenbereich und die unmittelbar umliegenden Terrassen sind für alle Besucher geöffnet; das Innere ist eine heilige Pilgerstätte, die nur Bahá’ís geöffnet ist.
Besuchslogistik
Zum oberen Terrasseneingang gelangen: Der einfachste Weg ist die Karmelit-Standseilbahn vom Paris-Platz in der Unterstadt zur Oberstation (Gan Ha’Em), dann 5 Minuten nördlich zum Yefe-Nof-Aussichtspunkt und oberen Terrasseneingang. Alternative: Taxi direkt zum oberen Eingang ab dem Haifaer Zentrum. Die Deutsche Kolonie (unterer Eingang) ist 15 Minuten zu Fuß vom Bahnhof Haifa HaCarmel entfernt.
Öffnungszeiten und Schließungen: Terrassen und geführte Touren sind an Bahá’í-Feiertagen geschlossen. Die wichtigsten Schließperioden:
- Naw-Rúz (Bahá’í-Neujahr, ca. 21. März)
- Ridván-Festivalzeitraum (spätes April bis Anfang Mai)
- Verkündigung des Báb (spätes Mai)
- Martyrium des Báb (9. Juli)
- Himmelfahrt von Bahá’u’lláh (spätes Mai/Anfang Juni)
- Geburt des Báb und Geburt von Bahá’u’lláh (spätes Oktober/Anfang November)
Immer auf bahai-haifa.org vor der Planung prüfen, da die Schließtermine dem Bahá’í-Mondkalender folgen.
Die Akkoer Stätten
Schrein von Bahá’u’lláh in Bahjí
Bahjí — arabisch für ‘Freude’ — liegt ca. 7 km nördlich der Akkoer Altstadt. Das Herrenhaus und der umliegende formale persische Garten sind der Ort, an dem Bahá’u’lláh seine letzten Lebensjahre verbrachte und 1892 verstarb. Der Schrein von Bahá’u’lláh innerhalb des Herrenhauses ist der heiligste Ort auf Erden für Bahá’ís.
Für Nicht-Bahá’í-Besucher sind die Gärten die Hauptattraktion. Sie sind kostenlos sonntags bis donnerstags (ca. 09:00–17:00) und samstagsmorgens (ca. 09:00–12:00) geöffnet. Freitagnachmittag ist geschlossen — eine feste religiöse Schließung; entsprechend planen. Die formalen Gärten umgeben das Herrenhaus in geometrischen Beeten aus Blumen, Zypressen und Palmen; das Gefühl der Stille ist im Vergleich zum Lärm der Akkoer Altstadt in der Nähe auffällig.
Das Innere des Herrenhauses und des Schreins von Bahá’u’lláh sind nur Bahá’í-Pilgern geöffnet. Nicht-Bahá’í-Besucher sind in den Gärten und Außenbereichen willkommen.
Anreise nach Bahjí: Es gibt keinen regulären öffentlichen Bus. Optionen:
- Taxi ab der Akkoer Altstadt (ca. ₪35–50 einfach; Rückfahrtpreis verhandeln)
- Organisierte Tour, die Bahjí als Teil eines Nordisrael-Tagesausflugs einschließt
- Mietwagen (7 km nördlich des Akkoer Zentrums über Route 4)
45–60 Minuten für den Gartenbesuch einplanen.
Ridván-Garten
Der Ridván-Garten steht auf einer Insel im Na’aman-Fluss, kurze Fahrt von der Akkoer Altstadt. Hier verbrachte Bahá’u’lláh Zeit während seiner Inhaftierung in Akko. Der Garten ist für Besucher geöffnet und hat eine ruhige, flussufernahe Atmosphäre, die sich deutlich von der Förmlichkeit von Bahjí unterscheidet. Es ist ein sekundärer Standort; die meisten Besucher kombinieren ihn mit Bahjí.
Herrenhaus von Mazra’ih
Das Herrenhaus von Mazra’ih, einige Kilometer nördlich von Akko, ist der Ort, an dem Bahá’u’lláh von 1877 bis 1879 lebte, nachdem er aus der Akkoer Gefangenschaft entlassen worden war. Es öffnet an bestimmten öffentlichen Tagen — auf bahai.org.il den aktuellen Zeitplan prüfen, da der Zugang begrenzt ist.
Zwei-Tage-Bahá’í-Rundkurs
Die lohnendste Art, beide Haifaer und Akkoer Stätten zu sehen, ist über zwei Tage:
Tag 1 — Haifa
- 09:00: Geführte Terrassentour ab dem oberen Eingang (im Voraus buchen)
- 11:00: Deutsche Kolonie für Kaffee und Mittagessen; Ben-Gurion-Allee und untere Bahá’í-Gärten spazieren gehen
- Nachmittag: Wadi-Nisnas-Viertelspaziergang, Karmelit hinauf zum Karmel-Grat, Sonnenuntergang von der Louis-Promenade
- Abend: Übernachtung in der Deutschen Kolonie oder Merkaz-HaCarmel-Bereich
Tag 2 — Akko
- Morgen: Akkoer Altstadt — Kreuzfahrersäle, Templertunnel, osmanischer Markt
- Nachmittag: Taxi nach Bahjí (7 km nördlich; Taxi im Hotel buchen; 45–60 Min. Besuch); Ridván-Garten optional auf dem Rückweg
- Rückkehr nach Haifa per Zug (25 Min.) oder südwärts
Zum vollständigen Haifa-Reiseführer und Akko-Reiseführer für alle weiteren Sehenswürdigkeiten beider Städte.
Was man vor dem Besuch wissen sollte
Es ist eine religiöse Stätte, kein öffentlicher Park. Sowohl die Haifaer Gärten als auch die Akkoer Stätten sind aktive religiöse Räume, die von und für die Bahá’í-Gemeinschaft gepflegt werden. Besucher sind willkommen und das Weltzentrum-Personal ist großzügig mit Zugang, aber respektvolles Verhalten wird erwartet und beobachtet. Leise sprechen in der Nähe der Schreine; den Anweisungen der Reiseleiter folgen.
Fotografierregeln: Gärten und Schrein-Außenbereiche — erlaubt und ermutigt. Innerhalb des Schreins des Báb oder anderer Schreingebäude — nicht gestattet.
Dresscode wird durchgesetzt an beiden Standorten. Mitarbeiter am Eingang werden Besucher, die nicht bescheiden gekleidet sind, höflich bitten, sich zu bedecken; Schals sind manchmal zum Ausleihen verfügbar.
Freitagnachmittag-Schließungen gelten in Bahjí — nicht am Freitagnachmittag nach Akko reisen in der Erwartung, einen Besuch machen zu können.
Anreise
Haifa ab Tel Aviv: Israel Railways Küstenbahnlinie nach Haifa HaCarmel (nächste Station zur Deutschen Kolonie und unteren Terrasseneingang) oder Haifa Merkaz HaShmona (Stadtzentrum). Fahrzeit: 55–65 Minuten.
Haifa ab Jerusalem: Zug über Tel Aviv oder Direktschnellbus ab Jerusalem Zentralem Busbahnhof (ca. 1 Std. 45 Min.).
Akko ab Haifa: Zug von Haifa HaShmona nach Akko — 25 Minuten, häufiger Dienst. Akkoer Altstadt ist 10 Minuten zu Fuß vom Bahnhof.
Bahjí ab Akko: Kein öffentlicher Bus — nur Taxi oder Auto (7 km nördlich, ca. ₪35–50 per Taxi ab der Altstadt).
Zum 3-Tage-Haifa-Reiseplan und Tagesausflüge ab Haifa für Kontext zu den Nordküsten-Reisemöglichkeiten.