Israelische Produktionen haben ein weltweites Publikum erreicht, das kein Regierungstourismusprogramm hätte gewinnen können. Fauda belegte in Dutzenden von Ländern Netflix-Topten-Plätze. Shtisel gewann Anhänger weit über jüdische Gemeinschaften hinaus — Modedesigner, Filmemacher und Kritiker in New York, Berlin und Tokio. Teheran lief zwei Staffeln auf Apple TV+. Millionen von Zuschauern, die israelische Straßen vom Bildschirm kennen, wollen sie nun in Person sehen. Dieser Leitfaden zeigt, was zugänglich ist, wie man hinkommt und wo geführte Touren den größten Mehrwert bieten.
Fauda (2015–heute) — Kfar Kasim und die Grenzgebiete
Fauda folgt einer Mista’arvim-Einheit — einem israelischen Undercover-Team, das in arabischen Gemeinschaften operiert — durch vier Staffeln hochgespannter Dramatik im Westjordanland und in den Grenzgebieten zu Gaza. Geschaffen von Lior Raz und Avi Issacharoff, beide in solchen Einheiten gedient, hat sie eine Authentizität, die sie von konventionelleren Thrillern unterscheidet.
Der primär zugängliche Drehort ist Kfar Kasim, eine arabisch-israelische Stadt ca. 15 km östlich von Tel Aviv. Die Serie nutzt Straßen, überdachten Markt und Wohnarchitektur ausgiebig, um sowohl arabisch-israelische Gemeinschaften als auch palästinensische Gebiete darzustellen. Die Stadt selbst ist alltäglich und unspektakulär von außen — was die straßenebene Dreharbeit so effektiv macht. Markt und Hauptstraßen sind für Serienkenner erkennbar.
Selbstgeführt: Kfar Kasim ist für Besucher offen. Es ist eine echte, lebendige Stadt, kein Set. Es gibt keine touristische Infrastruktur; die meisten Besucher kommen auf geführten Touren. Wer eigenständig besucht, findet den zentralen Marktbereich an Wochentagen morgens am lebendigsten.
Geführte Touren: Tourist Israel bietet “The Fauda Experience” an — eine Kleingruppenführung unter Leitung eines ehemaligen leitenden Geheimdienstoffiziers. Sie besucht Kfar-Kasim-Drehorte und bietet eine operative Einweisung in die Realität von Mista’arvim-Einheiten aus eigener Erfahrung des Guides. Aktuelle Verfügbarkeit auf GetYourGuide prüfen.
Was man nicht besuchen kann: Einige Fauda-Szenen wurden in echten Westjordanland-Standorten oder in der Nähe sicherheitssensibler Zonen gedreht, die Touristen nicht zugänglich sind. Die zugänglichen Orte sind interessant genug.
Shtisel (2013, 2018, 2021) — Mea Shearim, Jerusalem
Shtisel ist ein Familiendrama, das in Jerusalems Haredi-Gemeinschaft (ultraorthodox) spielt und die Familie Shtisel durch Liebe, Verlust, Kunst und religiöses Leben über drei Staffeln begleitet. Es wurde ein unerwarteter globaler Hit — in weltlichen Haushalten von New York bis Seoul konsumiert.
Der Drehort ist Mea Shearim (מאה שערים), eines der ältesten dauerhaft bewohnten jüdischen Viertel der Welt, erbaut 1874 außerhalb der Altstadtmauern. Die Gassen, Steinhäuser, Yeshiva-Ladenfronten und Gemeindemitteilungsbretter, die die Serie zeigt, sind das echte Viertel — in seinem Charakter seit Generationen unverändert.
Mea Shearim besuchen:
Dies ist ein lebendes ultraorthodoxes Wohnviertel, kein Museum. Man kann hindurchlaufen, aber die Gemeinschaft erwartet echten Respekt ihrer Standards.
- Kleiderordnung (unbedingt einhalten): Frauen bedecken Arme bis zu den Handgelenken, Beine bis zu den Knöcheln und tragen ein Kopftuch oder einen Hut. Männer tragen Kippa oder Hut. Beide Geschlechter sollten dunkle, schlichte Kleidung tragen. Schilder an den Vierteleingängen stellen diese Anforderungen klar dar.
- Fotografieren: Bewohner nicht ohne ausdrückliche Genehmigung fotografieren. Schilder im gesamten Viertel weisen darauf hin. Der Einwand der Gemeinschaft ist aufrichtig und sollte respektiert werden.
- Besuchszeit: Wochentage morgens (Sonntag bis Donnerstag) sind für Aktivität und Atmosphäre am besten. Schabbat (Freitag Sonnenuntergang bis Samstagnacht) ist eine völlig andere Erfahrung — das Viertel ist für nicht-observante Besucher geschlossen.
- Geula-Markt (Malkhei-Yisrael-Straße, angrenzend an Mea Shearim) ist ebenfalls in der Serie zu sehen und bietet mehr Spielraum für Marktfotografie.
Für ein tieferes Verständnis der religiösen Geographie Jerusalems: Heilige Stätten: Kleiderordnung und Etikette und Jüdisches Erbe in Israel.
Teheran (2020–2022) — Jerusalems Altstadt als Doppelgänger
Teheran (Apple TV+) ist ein Thriller über eine Mossad-Cyberoperateurin, die nach Teheran entsandt wird. Die für israelische Filmemacher gesperrte Stadt Teheran wird hauptsächlich durch Jerusalem dargestellt — insbesondere die überdachten Gassen des Muslimischen Viertels und des Christlichen Viertels der Altstadt.
Jerusalems osmanische Architektur, gewölbte Marktstraßen und dichtes Stadtgefüge aus Stein ergeben einen überzeugenden visuellen Ersatz. Die Via Dolorosa, Teile des Muslimischen-Viertel-Souks und verschiedene Außengassen sind in verschiedenen Episoden zu sehen.
Diese Orte besuchen: Die Altstadt ist für Touristen vollständig zugänglich. Das Muslimische Viertel ab Damaskustor in Richtung Grabeskirche und die Gassen des Christlichen Viertels abzulaufen, deckt einen Großteil der visuellen Teheran-Geographie ab. Für das breitere Altstadterlebnis: Jerusalem Altstadt: Geführter Spaziergang.
Beauty Queen of Jerusalem (2021–2022) — Mahane Yehuda und das Jüdische Viertel
Diese Netflix-und-Kan-11-Koproduktion ist ein historisches Familiendrama, das die osmanische und britische Mandatszeit in Jerusalems sephardischer Gemeinschaft umfasst.
Primäre Drehorte: Mahane-Yehuda-Markt und Teile des Jüdischen Viertels der Altstadt. Mahane Yehuda (“der Schuk”) ist einer der lohnendsten Orte in Jerusalem für jeden Besucher — Gewürze, Produkte, Backwaren, Hummus am Tag; Bars am Abend. Für Navigation und Essenstipps: Mahane-Yehuda-Marktführer.
Ein selbstgeführter Drehorte-Spaziergang: Jerusalem
| Ort | Was man erkennen wird | Fußweg ab Zentrum |
|---|
| Mea Shearim | Shtisel-Straßen und Märkte | 20 Min. Fußweg ab Mahane Yehuda |
| Geula-Markt | Shtisel-Ladenfronten | Angrenzend an Mea Shearim |
| Mahane Yehuda | Beauty Queen of Jerusalem | Zentral; 15 Min. ab Altstadt |
| Altstadt Muslimisches Viertel | Teheran-Gassen | 5 Min. ab Damaskustor |
| Altstadt Christliches Viertel | Teheran und diverse Produktionen | 10 Min. ab Jaffator |
Morgens am Mahane Yehuda starten, 20 Minuten nördlich nach Mea Shearim laufen, dann Taxi oder Stadtbahn in die Altstadt. Die gesamte Route deckt die wichtigsten Drehorte in 3–4 Stunden ab.
Praktische Tipps
Zuerst schauen. Schon ein oder zwei Folgen von Fauda, Shtisel oder Teheran vor dem Besuch werden deutlich erhöhen, was man vor Ort bemerkt.
Beste Jahreszeit für Drehorte-Spaziergänge: Frühling (März–Mai) und Herbst (September–November) bieten angenehmste Bedingungen für Jerusalem-Vierteltouren.
Fotografier-Etikette: Die überdachten Märkte der Altstadt erlauben Fotografie von Waren und Architektur; Personen immer erst fragen. In Mea Shearim: keine Ausnahmen. Kfar Kasim ist eine normale Stadt; Fotografie öffentlicher Räume ist in Ordnung.
Für Touren-Empfehlungen, die kulturelle Erlebnisse mit Israels Hauptsehenswürdigkeiten kombinieren: Beste Touren in Israel und Jerusalem 1 Tag sowie Tel Aviv 1 Tag.