Israel taucht auf den meisten globalen Surf-Reiserouten nicht auf — aber es sollte auf deiner Liste stehen, wenn du als Anfänger surfen lernen willst, als reisender Surfer etwas Unerwartetes erleben möchtest oder schlicht Urlaub mit Zeit im Wasser verbinden willst. Die Mittelmeerküste produziert echte, konsistente Wellen. Die Surf-Community ist freundlich und gut organisiert. Und der Strandzugang in Tel Aviv gehört zu den einfachsten der Welt.
Für DACH-Surfer, die sonst nach Portugal, auf die Kanaren oder nach Biarritz fahren, ist Israel eine überraschende Alternative: günstiger Direktflug ab Frankfurt, Wien oder Zürich, kein Zeitzonenjet-lag und eine Welt voller Kulturerlebnisse abseits des Wassers.
Das Mittelmeer als Surfrevuer verstehen
Die israelische Küste ist nordwestlich exponiert und liegt im direkten Strömungsweg atlantischer Winddünungen, die durch die Straße von Gibraltar ins Mittelmeer ziehen. Diese Dünungen sind der Hauptlieferant surfbarer Wellen — kein lokaler Windkabbel, sondern echter Groundswell, wenn auch mit kürzeren Perioden und kleineren Faces als an Atlantik oder Pazifik.
Was dich erwartet:
- Wellenhöhen von 0,5–1,5 m an durchschnittlichen Dünungstagen; vereinzelt 2–2,5 m an den besten Herbst- und Winterswells
- Kurze bis mittlere Perioden (6–10 Sekunden) — das Mittelmeer ist ein teilweise geschlossenes Meer, Langperioden-Swell ist selten
- Hauptsächlich Beachbreaks entlang der Tel-Aviver Stadtküste; riff-beeinflusste Breaks bei Bat Yam, Jaffa South und Herzliya Pier
- Konsistenter Surf von Oktober bis März; von Juni bis August in der Regel flach
Ehrliche Einschätzung: Israel ist kein Ziel für erfahrene Surfer auf der Suche nach großen oder perfekten Wellen. Es ist ein ideales Ziel zum Surfen lernen, für Fortgeschrittene die auf Reisen in Form bleiben wollen, und für alle, die Surfen als Aktivität auch bei bescheidenen Bedingungen lieben. Die lokale Community lebt genau das: entspannt, gesellig, mit Fokus auf Progression und Spaß statt Heavy-Performance.
Surfspot-Guide
Jerusalem Beach (Bograshov), Tel Aviv
Das Zentrum der Tel-Aviver Surfszene. Jerusalem Beach — auch Bograshov Beach oder umgangssprachlich “Geula” genannt — liegt zwischen Gordon Beach im Norden und Frishman Beach im Süden und hat den konsistentesten Break am zentralen Tel-Aviver Strandabschnitt.
Der Break ist ein Sandboden-Beachbreak, der bei Nordwestdünung und Südwestwind-Swell funktioniert. Er überschreitet selten 1,5 m, ist aber von Oktober bis März außergewöhnlich konsistent. Mehrere Surfschulen arbeiten direkt am Sand — der beste Ort zum Lernen, Ausrüstung leihen und andere Surfer finden.
Ideal für: Anfänger, Fortgeschrittene, Surfkurse, Ausrüstungsverleih
Anreise: Tel Aviv Light Rail (Rote Linie) bis Gordon Beach / Frischman, dann 5 Minuten Strandpromenade südwärts
Bat Yam South Beach
Bat Yam, unmittelbar südlich von Tel Aviv (ca. 20 Minuten mit Bus oder Auto), hat Israels konsistentesten Performance-Break am südlichen Ende der Klippenpromenade. Die Kombination aus Riffeinfluss und anderem Sandkonfiguration ergibt schnellere, kraftvollere Wellen als im Tel-Aviver Zentrum — hohler, kürzer und belohnender für Fortgeschrittene.
Ideal für: Erfahrenere Surfer; Wochentags-Sessions
Anreise: Bus 10 vom Zentralen Busbahnhof Tel Aviv; ca. 25 Minuten Fahrt
Herzliya Pier
15 km nördlich von Tel Aviv fängt der Herzliya-Pier-Bereich den gleichen Nordwestswell ein und erzeugt einen halbgeschützten Break, der bei besonders großen Dünungtagen weniger überwältigend ist als Bat Yam. Beliebt bei der Northshore-Tel-Aviv-Community.
Ideal für: Fortgeschrittene, die Bat-Yam-Trubel meiden wollen
Anreise: 20 Minuten mit dem Auto nördlich von Tel Aviv; wenig öffentliche Anbindung direkt an den Pier
Haifa – Bat Galim Beach
Haifas Bat Galim Beach fängt denselben Nordwestswell ein wie Tel Aviv und ist bei lokalen Longboardern und Anfängern beliebt. Wellenqualität ähnlich wie Tel Avivs Südstrände. Keine Surfschulen vor Ort; Haifa eignet sich am besten als Ergänzung, wenn man ohnehin im Norden reist.
Jahreszeiten und Neoprenguide
| Monat | Wassertemp. | Bedingungen | Empfehlung |
|---|
| Jun–Sep | 25–29°C | Flach bis sehr klein | Anfänger, SUP, Schnorcheln |
| Okt | 23–25°C | Erste Dünung | Shorty oder Springsuit |
| Nov–Feb | 17–21°C | Beste Wellen | 3/2 mm oder 4/3 mm Fullsuit |
| Mär–Mai | 19–23°C | Abklingende Saison | 3/2 mm Fullsuit |
Für DACH-Surfer gilt: Die Peakzeit (November–Februar) entspricht der Nordsee-Winterpause. Statt Neopren einzumotten, lohnt sich der Flug nach Tel Aviv — 17°C Wassertemperatur sind für Mitteleuropäer angenehm, und ein 3/2-mm-Anzug reicht problemlos.
Surfkurse und Verleih
Mehrere zertifizierte Schulen betreiben am Jerusalem Beach in Tel Aviv Kursbetrieb:
- Gruppenlektion (60–90 Min.): Landeinweisung, Paddel- und Pop-up-Technik, dann ins Wasser mit Instruktor
- Privatstunde: Auf Fortgeschrittene und spezifische Techniken zugeschnitten
- Boardverleih: Stündliche Miete; Softboards für Anfänger, Shortboards und Longboards verfügbar
- Neoprenverleih: Größenauswahl begrenzt — eigenen Anzug mitbringen, wenn vorhanden
Vorbuchen empfiehlt sich für israelische Feiertage, Schulferien und Freitag-Nachmittag-Sessions.
Surfen in den Tagesplan einbauen
Tel Aviv macht die Kombination aus Kultur und Wasser einfacher als fast jede andere Stadt. Morgen-Session am Jerusalem Beach (06:00–08:00, bevor die Strandclubs öffnen), Frühstück in einem Café am Strandpromenade, dann Altstadt Jaffa oder Florentin am Nachmittag — machbar ohne Auto, ohne Zeitverlust.
Für eine Woche mit Surf-Fokus: Tel Aviv als Basis, Tagesausflug nach Bat Yam für Performance-Wellen, Halbtagesfahrt nach Herzliya wenn der Swell zu groß für den Stadtbreak ist.
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