Ein kleines Land mit enormer Landschaftsvielfalt: Auf einer Fahrt von Tel Aviv nach Eilat (330 km) durchquert man Mittelmeerküste, Judäische Berge, das Tote-Meer-Becken und den Negev. Die sieben Routen in diesem Guide zeigen das Spektrum — von der Wüstenhauptstraße bis zum schroffen Golan-Grenzstreifen.
Route 1: Highway 40 — Die Negev-Hauptachse (80 km)
Strecke: Beer Sheva → Avdat → Sde Boker → Mitzpe Ramon
Beste Reisezeit: Oktober–April; im Sommer nur früh morgens
Fahrtzeit: 1,5–2 Stunden rein (ohne Stops)
Die wichtigste Wüstenstraße Israels. Von Beer Sheva nach Süden wird die Landschaft zunehmend karg, die Farbe des Bodens wechselt von sandig zu dunkelrot, schließlich zu kreideweißem Kalkstein bei Avdat.
Highlights:
Avdat (UNESCO-Welterbe): Die nabatäische Stadt auf dem Hügel über dem Highway — gepflasterte Römerstraßen, byzantinische Kirchen, eine ungewöhnlich gut erhaltene Weinpresse. Besuch 1–2 Stunden; National Park Eintritt (parks.org.il).
Sde Boker: Das Kibbutz, in dem David Ben-Gurion seinen Lebensabend verbrachte. Das Ben-Gurion-Haus ist ein zugängliches, nicht überlaufenes Museum. Nebenan: der Ben-Gurion-Aussichtspunkt über das Zin-Tal (Wadi Zin) — einer der überzeugendsten Panoramapunkte des Landes, besonders bei Nachmittagslicht.
Ramon-Krater (Makhtesh Ramon): Der Endpunkt der Route. Kein Einschlagkrater, sondern ein geologisches Unikum: ein Erosionskrater von 40 km Länge, 9 km Breite, 500 m Tiefe. Der Aussichtspunkt am Rand von Mitzpe Ramon ist 2 Minuten vom Stadtrand entfernt und überwältigend bei Sonnenaufgang.
Route 2: Jerusalem-Hügel — Route 395 (25 km)
Strecke: Sha’ar HaGai → Ein Kerem → Jerusalem
Beste Reisezeit: ganzjährig; Frühling (Mohn- und Anemone-Blüte März–April)
Fahrtzeit: 45 Minuten
Die Route, auf der jüdische Kolonnen 1948 Jerusalem mit Proviant versorgten — und die Wracks der gepanzerten Lastwagen sind noch immer absichtlich am Straßenrand belassen, jetzt bemalt und bewacht. Die Fahrt ist ein Stück lebendige Geschichte.
Von Sha’ar HaGai (Bab el-Wad) hinauf nach Jerusalem verändert sich die Vegetation: von mediterranem Tiefland-Maquis zu den Terrassenweinbergen und Kiefernwäldern der Judäischen Hügel. Ein Kerem — das Dorf, in dem Johannes der Täufer nach Überlieferung geboren wurde — ist ein Ausflugsziel für sich: enge Gassen, Galerien, das Franziskaner-Kloster.
Route 3: Golan-Route 98 (70 km)
Strecke: Katzrin → Nimrod-Festung → Banias → Quneitra-Aussichtspunkt → Mt. Bental → Majdal Shams
Beste Reisezeit: Oktober–Mai (keine Sommer-Hitze-Einschränkung, aber Wintersturm möglich)
Fahrtzeit: 2–3 Stunden (viele Stops)
Die Route mit dem dichtesten Programm. Route 98 folgt dem nördlichen Golan-Höhenkamm entlang der syrischen Grenze — mit Sicht auf Syrien, Israel und den Hermon-Berg gleichzeitig.
| Stop | Entfernung | Highlights |
|---|
| Nimrod-Festung | km 0 | Kreuzfahrerburg, Nationalpark; Aussicht See Gennesaret |
| Banias (Caesarea Philippi) | km 10 | Quellheiligtum, Wasserfall, HerodesTempel-Reste |
| Quneitra-Aussichtspunkt | km 25 | UN-Pufferzone sichtbar; verlassene syrische Stadt |
| Mt. Bental | km 35 | Aussichtspunkt auf Damaskus-Ebene; ehemaliger Militärposten |
| Majdal Shams | km 45 | Drusenstadt; lokale Küche; Kirschsaison (Juni) |
Wineries: Der südliche Golan zwischen Katzrin und dem Galilee-See ist Israels zweitwichtigste Weinregion. Golan Heights Winery (Katzrin) bietet Führungen an; mehrere kleinere Boutique-Weingüter entlang der Nebenstraßen.
Route 4: Gilboa-Kamm — Route 667 (18 km)
Strecke: Gan HaShlosha → Gilboa-Aussichtspunkt → Beit She’an
Beste Reisezeit: Februar–April (Iris-Blüte); Oktober–Mai allgemein
Fahrtzeit: 1 Stunde
Die Gilboa-Kammstraße ist Israels Wildblumen-Route. Im Februar und März blüht die Gilboa-Iris (Iris haynei), eine endemische Art, die nur auf diesem Bergkamm vorkommt — violett-schwarz, auf weißem Kalkstein, mit dem Jordantal als Hintergrund. Außerhalb der Blütezeit ist die Strecke schön (weite Jordantal-Aussicht), aber weniger einzigartig.
Am Fuß des Gilboa: Beit She’an — eine der am besten erhaltenen Römer-Städte des Landes, mit einem vollständigen Kolonnaden-System, Theater und Bädern (Nationalpark).
Route 5: Karmelgebirge-Waldstraßen (ca. 40 km Kreis)
Strecke: Haifa → Muhraqa → Drusen-Dörfer (Daliat el-Carmel, Isfiya) → zurück
Beste Reisezeit: Oktober–April
Fahrtzeit: 2–3 Stunden Rundkurs
Das Karmelgebirge ist Israels einziger mediterraner Wald in größerem Maßstab. Die Fahrten durch das Walddach sind nicht spektakulär im Canyon-Sinne, aber angenehm anders: Duft von Aleppo-Kiefer und Erdbeerbaum, Drusen-Dörfer mit eigener Küche (Pita, Laban, gegrilltes Fleisch), der Aussichtspunkt Muhraqa mit Blick über die Jesreel-Ebene.
Für Besuche: Daliat el-Carmel hat den lebendigsten Markt der Region (freitagvormittags besonders aktiv). Das Dorf ist drusenisches Kulturzentrum — unabhängige Minderheit, keine Muslime, keine Christen; eigene Gastfreundschaft.
Route 6: See-Gennesaret-Höhenstraße Route 7717 (12 km)
Strecke: Tiberias → Poriah-Höhen → Lavnun-Aussichtspunkt
Beste Reisezeit: ganzjährig; Sommer für Sonnenuntergang
Fahrtzeit: 30 Minuten
Die unterschätzte Route. Route 7717 steigt schnell aus Tiberias auf die Westseite des Galilee-Beckens und öffnet Panoramen auf den vollständigen See — Israel, Jordanien, die Golan-Hügel — in einem einzigen Bild. Auf 350 m Höhe über dem Seespiegel (der See liegt auf −213 m).
Der Lavnun-Aussichtspunkt ist der beste Fotopunkt für den See Gennesaret aus der Höhe, besonders bei Sonnenuntergang.
Route 7: Route 90 — Das Tote-Meer-Ufer (90 km)
Strecke: Qumran → Ein Gedi → Masada → Ein Bokek
Beste Reisezeit: Oktober–April; im Sommer ausschließlich vor 9 Uhr
Fahrtzeit: 1,5 Stunden nonstop; 4–6 Stunden mit Stops
Die ikonischste Straße Israels in geografischer Hinsicht: Route 90 am Westufer des Toten Meeres liegt auf −400 m, dem tiefsten befahrbaren Punkt der Erde. Links die schroffen Kalksteinklippen der Judäischen Wüste; rechts die hypersalzige Tote-Meer-Oberfläche.
Pflicht-Stops:
Qumran: Die Höhlen, in denen die Schriftrollen vom Toten Meer 1947 gefunden wurden. Der Nationalpark zeigt die Ausgrabungen der essenischen Gemeinschaft (2 Stunden).
Ein Gedi: Oase mit Wasserfällen, Wildziegen (Nubische Steinböcke) und dem biblischen Nahal David-Canyon. Früh morgens ist es hier still und kühl — eines der schönsten Naturerlebnisse Israels.
Masada: Auf dem Plateau der herodianischen Festung über dem Toten Meer — Seilbahn oder Schlangenweg hinauf. Im Sommer: Schlangenweg schließt zwischen 10 und 16 Uhr (genaue Termine bei den israelischen Parkverwaltungen prüfen).
Ein Bokek: Das Kurort-Areal am Südende mit Stränden und Hotels — der touristisch erschlossenste Teil des Toten Meeres.
Praktisches Planen
Navigation: Waze (israelische App, von Google übernommen) ist für Israel genauer als Google Maps — örtlich verwendetes Echtzeit-Verkehrssystem. Download vor dem Start.
Tanken: Benzin-Tankstellen entlang aller Routen; im Negev (Route 40) zwischen Sde Boker und Mitzpe Ramon ca. 50 km ohne Tankstelle — vor der Fahrt volltanken.
Shabbat: Mietwagenstationen in Innenstädten sind freitagnachmittag bis Samstagabend oft geschlossen; Flughafen-Standorte bleiben offen. Fahren selbst ist möglich.
Für die Vorbereitung: Autofahren in Israel: Reiseführer, Mietwagen Israel, Negev-Reiseführer und Golan-Höhen Guide.