Israel mit dem Wohnmobil zu erkunden ist eine der freiesten Reisemöglichkeiten, die das Land bietet. Der öffentliche Nahverkehr erschließt die Städte gut, aber die Galiläa-Küste im Morgengrauen, die Golanhöhen ohne Busfahrplan, der Negev mit eigener Küche und eigenem Bett — kein dieser Erlebnisse ist im gleichen Tempo ohne ein Fahrzeug möglich, in dem man schläft. Israel ist zudem kompakt genug, dass ein gut geplanter Wohnmobil-Loop in sieben Tagen bemerkenswert viel abdeckt.
Dieser Leitfaden erklärt: Wohnmobil mieten in Israel, legale Übernachtungsoptionen, die beste Vanlife-Route und die praktischen Details, die Ihre Reise wirklich beeinflussen.
Wohnmobil mieten in Israel
Israels Campervan-Mietmarkt ist klein, aber funktional. Zwei Hauptanbieter stechen heraus.
TerraVan (terravan.co.il) ist der etablierte Anbieter mit einer Flotte vollausgestatteter 4-Schlaf-Campervans, die in Haifa und Zentral-Tel-Aviv abgeholt werden können. Ihre Fahrzeuge umfassen:
- LPG-Gaskocher (2 Flammen)
- 12-V-Kompressorkühlschrank
- Bettwäsche und Kissen
- Satelliten-GPS-Gerät
- Markise für Schatten (meiste Fahrzeuge)
- Landstromanschluss für Campingplatz-Steckdosen
Tagesraten liegen je nach Saison, Fahrzeugmodell und Vorlaufzeit bei ca. ₪400–800. Sommer (Juli–August) und Schulferien (Sukkot, Pessach, Chanukka) sind Hochpreiszeiten; Frühling und Herbst unter der Woche liegen oft am unteren Rand.
Campervans-israel.com bietet eine zweite Option mit einem etwas anderen Flottenportfolio, darunter kleinere 2-Schlaf-Wohnmobile für Paare, die weniger Kraftstoff verbrauchen und einfacher zu parken sind.
Früh buchen: Das Angebot ist knapp. Für Sommer und Feiertage mindestens 2–3 Monate vorausbuchen. Frühling (März–Mai) ist die beliebteste Saison für internationale Besucher — mindestens 6–8 Wochen Vorlaufzeit. Im Herbst oft kurzfristiger buchbar.
Legale Übernachtungsplätze: Wo darf ich schlafen?
INPA-Campingplätze
Die Israel Nature and Parks Authority (INPA) betreibt ein Netz offizieller Campingplätze, die Fahrzeuge einschließlich Wohnmobile willkommen heißen. Dies ist die legale und voll erschlossene Option.
See Gennesaret (Kinneret) — Ufercampingplätze
Mehrere INPA-Plätze rund um den See Gennesaret — bei Gofra, Susita/Hippos und Kursi unter anderen — bieten Fahrzeugstellplätze, einfache Dusch- und Sanitärblöcke und Zugang zur Küste zum Schwimmen. Buchung über die INPA-Website (parks.org.il) in der Hochsaison erforderlich. Die Kinneret-Camps sind die ideale Übernachtung für den Nordabschnitt der Route.
Ein Gedi / Nahal Arugot (Totes Meer)
Der INPA-Campingplatz nahe Ein Gedi ist die logische Basis für Totes-Meer- und Masada-Abschnitt. In Gehweite befinden sich das Ein-Gedi-Naturreservat (Quellen, Wasserfälle und Steinböcke) und der Ein-Gedi-Strand am Toten Meer. Masada liegt 25 km entfernt — ein frühmorgendlicher Aufstieg über den Schlangenweg vor der Hitze ist eines der Highlights der Route.
Mitzpe Ramon (Ramon-Krater)
Der INPA-Campingplatz Mitzpe Ramon liegt am Kraterrand des Makhtesh Ramon — dem weltgrößten Erosionskrater. Das IDA-Zertifikat (International Dark-Sky Association) macht den Himmel über Mitzpe Ramon zu einem der dunkelsten im Nahen Osten. Eine mondlose klare Nacht am Kraterrand mit eigener Küche und Liegestuhl ist das Beste, was Israel-Reisen bieten kann.
Der Negev ist groß und dünn besiedelt, und einige Stellen werden von der Vanlife-Community als informelle Übernachtungsplätze genutzt — nicht offiziell genehmigt, aber in der Praxis toleriert:
- Ma’ale Akrabim (Skorpionpass) — Aussichtspunkt: ein hoher Wüstenpass auf Route 227 mit Panoramablick ins Arava-Tal. Keine Einrichtungen; strenge Leave-No-Trace-Regeln.
- Uvda-Tal: ein weites, flaches Tal im südlichen Negev zwischen Mitzpe Ramon und Eilat. Keine Einrichtungen; alles wieder mitnehmen.
Nie offene Feuer entzünden (streng verboten), keinen Müll hinterlassen und die Wüstenökologie respektieren. INPA-Ranger patrouillieren und verhängen Bußgelder für illegales Campen innerhalb von Parkgrenzen.
Die klassische 7-Tage-Wohnmobil-Route
Dieser Uhrzeigersinn-Loop beginnt und endet in Tel Aviv und umfasst ca. 900 km. Er funktioniert für 5- bis 10-tägige Mietzeiten; 7 Tage sind das angenehme Minimum ohne Hektik.
Tag 1 — Tel Aviv → Rosh Hanikra (ca. 120 km, 1,5 h)
Fahrzeug in Tel Aviv abholen und nordwärts auf der Küstenroute 2 fahren. Halt in Caesarea (Römische Hafenstadt, 45 km nördlich) für 2–3 Stunden, wenn kein separater Caesarea-Tag geplant ist. Weiter nordwärts nach Haifa zu den Rosh-Hanikra-Meereshöhlen an der libanesischen Grenze — weiße Kreidefelsen und Meereshöhlen, erreichbar per Kabinenbahn. Übernachtung an einem Stellplatz nahe Nahariya oder Rosh Hanikra.
Tag 2 — Rosh Hanikra → Akko → See Gennesaret (ca. 80 km, 1,5 h Fahrt)
Morgen in Akko (Akka) — Kreuzfahrertunnel, arabischer Markt und bester Hummus in Nordisrael. Fahrt ostwärts auf Route 85 nach Galiläa, Abstieg zum See Gennesaret bei Tiberias. Camp an einem Kinneret-Uferplatz. Abendspaziergang zur Seepromenade in der Goldenen Stunde.
Tag 3 — Rundkurs See Gennesaret (Lokalfahrten)
Ein voller Tag rund um den Kinneret. Kafarnaum (Jesu Wirkungsstätte; Parken kostenlos in der Nähe). Berg der Seligpreisungen (kurzer Fußweg vom Parkplatz). Kinneret-Boot (optional; das antike Boot im Museum des Kibbutz Ginosar ist 30 Minuten wert). Abend zurück am Kinneret-Camp — Schwimmen vom Ufer in der Abenddämmerung ist außergewöhnlich.
Tag 4 — Golanhöhen (ca. 60 km Schleife ab Camp)
Fahrt nord- und ostwärts vom See Gennesaret auf die Golanhöhen. Die Auffahrt vom Kinneret auf das Plateau ist einer der dramatischsten Anstiege in Israel. Hauptziele: Nimrod-Festung (Kreuzfahrer-/Ayyubiden-Burg mit Panoramablick), Gamla-Naturreservat (Ruinen einer jüdischen Stadt aus dem 1. Jh.; Gänsegeier-Kolonie), Majdal Schams (Druzendorf nahe der syrischen Grenze). Rückkehr zum Kinneret-Camp oder Nacht auf informellem Golan-Stellplatz.
Tag 5 — Jordantal → Totes Meer (ca. 130 km, 2 h)
Fahrt südwärts auf Route 90, der Jordantal-Highway — einer der längsten und hypnotischsten Geraden Israels, verlaufend bis zu 400 m unter dem Meeresspiegel durch den Jordangraben. Halt in Beit She’an mit seinem ausgedehnten römischen Theaterkomplex. Weiter nach Ein Gedi und zum INPA-Campingplatz. Nachmittagsschwimmen im Toten Meer — der Ein-Gedi-Strandabschnitt ist zu Fuß vom Camp erreichbar.
Tag 6 — Masada → Negev (ca. 100 km, 1,5 h)
Wecker auf 4 Uhr. 25 km nach Masada fahren und den Schlangenweg-Aufstieg vor Sonnenaufgang beginnen — oben ankommen bei Sonnenaufgang ist eines der großartigsten Erlebnisse in Israel. Bis 10 Uhr zurück am Camp, bevor die Hitze des Toten Meeres unerträglich wird. Nachmittagsfahrt durch die Arava ins Mitzpe Ramon und Übernachtung am Kraterrand.
Tag 7 — Mitzpe Ramon → Tel Aviv (ca. 230 km, 2,5 h)
Morgenspaziergang entlang des Ramon-Kraterrandes vor der Hitze. Nordwärts auf Route 40 durch das Herz des Negev, dann Anschluss an Autobahn 6 nördlich von Be’er Scheva für die schnellste Rückkehr nach Tel Aviv. Fahrzeugrückgabe am späten Nachmittag.
Praktische Details
LPG und Kraftstoff
LPG an großen Paz- und **Delek-**Tankstellen auffüllen. Den Anschlusstyp vorab mit dem Mietanbieter bestätigen (üblicherweise ACME-Kupplung). Im Negev — Tankstellen liegen 60–80 km auseinander — immer volltanken, wenn sich die Gelegenheit bietet. Die meisten Fahrzeuge laufen mit Diesel.
Parken und Fahren in Städten
- Tel Aviv: Die meisten Campervans sind zu hoch für Tiefgaragen. Große Parkflächen im Hafen-Bereich (Tel Aviv Namal) oder nördlich der Stadt nutzen. Mit einem 4-Schlaf-Wohnmobil durch die Dizengoff-Straße oder Florentin zu fahren ist unangenehm — am Stadtrand parken und zu Fuß oder mit dem Fahrrad.
- Jerusalem: Parkgaragen in der Altstadt haben typischerweise 1,9–2,1 m Einfahrtshöhe. Die meisten 4-Schlaf-Wohnmobile sind 2,2–2,6 m hoch und passen nicht hindurch. Am Ammunition-Hill-Parkplatz (Nordjerusalem) oder am Malha-Mall-Parkplatz (Süd) parken und die Straßenbahn oder ein Taxi nehmen.
- Autobahnfahren: Israelisches Autobahnfahren ist zügig und direkt. Rechts bleiben, außer zum Überholen; Waze nutzen — es ist der Standard bei israelischen Fahrern.
Internet und Navigation
Eine israelische SIM-Karte ist unerlässlich — Offline-Waze ohne Datenkarte ist unzuverlässig. Gett Telecom, Cellcom und Hot Mobile verkaufen Touristen-SIM-Karten am Ben-Gurion-Flughafen. TerraVan-Fahrzeuge sind mit Satelliten-GPS ausgestattet, aber Waze auf dem Smartphone mit lokaler SIM-Karte ist aktueller.
Schabbat-Logistik
Das Wohnmobil ist Ihr bester Schabbat-Begleiter. Lebensmittelvorräte (Supermärkte: Rami Levy, Shufersal) bis Donnerstagabend oder Freitagmorgen einkaufen. Kraftstoff und LPG bis 14 Uhr freitags auffüllen. INPA-Campingplätze bleiben offen. Die Straßen sind über Schabbat ungewöhnlich ruhig — Masada am Samstagmorgen hat halb so viel Andrang wie sonst.
Fahrzeughöhe beachten
Exakte Fahrzeughöhe beim Mietanbieter erfragen. Die meisten 4-Schlaf-Campervans in Israel sind 2,2–2,6 m hoch. Alle Übernachtungsoptionen entsprechend planen — Freiluftparkplätze und ausgewiesene Campingplatz-Stellflächen passen immer; Tiefgaragen meistens nicht.
Wohnmobil vs. Mietwagen: Was passt zu mir?
Ein Wohnmobil lohnt sich, wenn:
- Sie sich mit Selbstverpflegung wohlfühlen (Frühstück am Kinneret-Ufer ist genuinement ausgezeichnet)
- Sie die Flexibilität möchten, irgendwo zu übernachten, ohne Hotelangebot zu prüfen
- Sie zu zweit, als Familie oder als Gruppe von drei bis vier Personen reisen
- Sie mindestens 5–7 Nächte planen (kürzere Reisen rechtfertigen die Mehrkosten gegenüber Auto + Hotel selten)
Ein normaler Mietwagen ist besser, wenn:
- Sie jede Nacht in Hotels und Restaurants verbringen wollen
- Ihre Route städtisch ausgerichtet ist (Tel Aviv → Jerusalem → Tel Aviv braucht kein Wohnmobil)
- Sie alleine mit knappem Budget reisen
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