Jericho birgt eine außergewöhnliche Reihe von Ansprüchen: Es gilt weithin als die älteste dauerhaft bewohnte Stadt der Welt, liegt an einem der tiefsten Punkte der Erde (rund 258 m unter dem Meeresspiegel) und beherbergt Stätten, die 10.000 Jahre Menschheitsgeschichte in einer 10-Minuten-Fahrt umfassen. Als Tagesausflug von Jerusalem — nur 35–40 Minuten östlich auf der Route 1, wobei die Straße von 800 m über dem Meeresspiegel auf 260 m unter dem Meeresspiegel abfällt — ist es eine logische und überzeugende Ergänzung jeder Reiseroute.
Ein wichtiger Logistikhinweis vorab: Jericho liegt in der palästinensischen Zone A, was bedeutet, dass israelische Staatsbürger nicht einreisen dürfen. Ausländische Touristen (einschließlich Besucher mit israelischem Visum oder ETA-IL) dürfen mit Pass frei einreisen. Die meisten israelischen Mietwagenverträge verbieten ebenfalls die Einfahrt in Zone A, sodass eine geführte Tour oder ein Sammeltaxi für die meisten Besucher die praktische Wahl ist. Details im Abschnitt Anreise weiter unten.
Was in Jericho zu sehen ist
Tell es-Sultan — das antike Jericho
Tell es-Sultan ist der archäologische Hügel des antiken Jericho, als Nationalpark von der Palästinensischen Behörde verwaltet. Hier haben Ausgrabungen eine ununterbrochene Besiedlung bis ca. 10.000 v. Chr. belegt, mit den Überresten steinerner Befestigungstürme aus ca. 8.000 v. Chr. — Bauwerke, die sechstausend Jahre vor der biblischen Geschichte der Mauern von Jericho entstanden. Der neolithische Turm (Turm von Jericho) ist eine der ältesten freistehenden Steinstrukturen, die je gefunden wurden.
Die Stätte erfordert Vorstellungsvermögen — die meisten Strukturen sind niedrige Steinfundamente und freigelegte Stratigraphieschichten. Was Tell es-Sultan sein Gewicht verleiht, ist die schiere Tiefe der Zeit: Schichten bronzezeitlicher, neolithischer und noch älterer Besiedlung, sichtbar im Querschnitt unter Ihren Füßen.
Praktisch: Kleiner Eintrittspreis vor Ort; aktuelle Öffnungszeiten unter visitpalestine.ps. Ein Reiseleiter mit archäologischem Fachwissen empfiehlt sich. Etwa 45–60 Minuten einplanen.
Berg der Versuchung — Dschabal Quarantal
Der Berg der Versuchung (Dschabal Quarantal / Jebel Quruntul) ist die Kalksteinklippe nordwestlich des Stadtzentrums von Jericho, an der Jesus gemäß dem Evangelium 40 Tage nach seiner Taufe vom Teufel versucht wurde. Ein griechisch-orthodoxes Kloster — das Versuchungskloster (Deir al-Quruntel) — klammert sich auf etwa 350 m Höhe an die Felswand, mit Blick über das Jordantal zum Toten Meer und nach Jordanien.
Die Seilbahn führt vom Klippen-Fuß zu einer Station nahe dem Kloster. Die Fahrt dauert ca. 8 Minuten und bietet Panoramablicke auf Jerichos Oasenlage und die umliegende Judäische Wüste. Das Kloster selbst kann besucht werden, wenn es nicht für religiöse Observanzen geschlossen ist — an der Seilbahnstation bestätigen.
Praktisch: Täglich ca. 08:00–17:00 Uhr (saisonal; vor Besuch bestätigen). Tickets an der Talstation. Bescheidene Kleidung im Kloster erforderlich (Schultern und Knie bedeckt). Dies ist typischerweise die visuell dramatischste Station in Jericho und spricht Besucher aller Hintergründe an.
Hischams Palast — das Baum-des-Lebens-Mosaik
Drei Kilometer nördlich des Stadtzentrums von Jericho ist Hischams Palast (Khirbet al-Mafjar) ein umayyadischer Winterpalastkomplex aus dem 8. Jahrhundert, der für den Kalifen Hischam ibn Abd al-Malik erbaut und von seinem Nachfolger al-Walid II. vollendet wurde. Ein Erdbeben zerstörte ihn, bevor er je vollständig genutzt worden war; Ausgrabungen seit den 1930er Jahren haben umfangreiche Ruinen freigelegt und — vor allem — ein Bodenmosaik im Hauptempfangssaal enthüllt, das zu den herausragendsten Zeugnissen frühislamischer Kunst gehört.
Das Baum-des-Lebens-Mosaik zeigt einen großen, aufwendig ausgeführten Baum, auf dessen einer Seite friedlich grasende Rehe und auf der anderen ein einen Gazellen verfolgender Löwe zu sehen sind. Es gilt als vergleichbar mit den besten byzantinischen Bodenmosaiken derselben Epoche. Die Stätte wird von der palästinensischen Behörde verwaltet (INPA-Nationalparkkarte wahrscheinlich nicht gültig; vor Ort prüfen). Etwa 30–45 Minuten einplanen.
Qasr el-Jahud — Taufstelle am Jordan
Etwa 15 Minuten von Jericho mit dem Auto entfernt ist Qasr el-Jahud am Jordan die Stätte, die von mehreren christlichen Traditionen — katholisch, griechisch-orthodox, äthiopisch, armenisch — als Ort der Taufe Jesu und der Predigt Johannes des Täufers identifiziert wird. Die Stätte wird von der Israelischen Natur- und Parkverwaltung (INPA) von der israelischen Seite aus verwaltet, mit Kirchen verschiedener Konfessionen direkt am Flussufer.
Dies ist die historisch bedeutsame Taufstätte für die meisten Konfessionstraditionen; Jardenit in Galiläa hat besser entwickelte Einrichtungen, aber einen anderen theologischen und geographischen Anspruch. Qasr el-Jahud fügt sich gut in einen Jericho-Tagesausflug ein: Betreten Sie die Taufstätte von der israelischen Seite aus nach der Rückkehr aus Jericho.
Jerichos Dattelmarkt
Jericho ist das Herz der Medjool-Dattelanbauregion Israels und der palästinensischen Gebiete. Zahlreiche Straßenstände entlang der Zufahrtsstraße von Jerusalem verkaufen frische und getrocknete Medjool-Datteln, Dattelsirup, Dattelwein und dattelbasierte Süßigkeiten. Die Preise sind verhandelbar und deutlich niedriger als auf Jerusalemer oder Tel Aviver Märkten. Selbst wenn Sie nichts anderes in Jericho besuchen — an einem Dattelstand auf dem Durchweg zu halten lohnt sich.
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Zone-A-Logistik — die wichtigsten Fakten
Israelische Staatsbürger dürfen Jericho gesetzlich nicht betreten. Jericho ist palästinensische Zone A. Das Verbot gilt nur für israelische Staatsangehörige. Ausländische Touristen — einschließlich Besucher mit ETA-IL oder einem israelischen Visum — dürfen mit Pass frei einreisen. Es ist keine besondere Genehmigung erforderlich.
Mietwagen: Die meisten israelischen Autovermietungen untersagen ausdrücklich die Einfahrt gemieteter Fahrzeuge in Zone A. Diese Klausel ist in der Regel in den Versicherungsbedingungen des Mietvertrags vergraben; ein Verstoß hebt den Versicherungsschutz auf. Prüfen Sie Ihren Mietvertrag, bevor Sie einen Besuch planen. Falls Ihr Vertrag Zone A verbietet, lassen Sie das Auto an einer Parkmöglichkeit nahe der Almog-Kreuzung stehen und fahren Sie per Taxi weiter.
Sammeltaxi ab Damaskustor
Die praktischste unabhängige Option für ausländische Besucher: Sherut-Sammeltaxen fahren vom Sammeltaxiknoten am Damaskustor in Ostjerusalem ab. Abfahrten ca. stündlich tagsüber. Kosten: ca. ₪25–30 je Person und Richtung.
Privates Taxi
Verhandeln Sie eine Rundfahrt mit Wartezeit ab Damaskustor. Budget ca. ₪80–120 für die Rundfahrt inklusive 3–4 Stunden Wartezeit. Preis vor Abfahrt vereinbaren.
Geführte Tagestour (empfohlen)
Eine geführte Tour ab Jerusalem übernimmt den Transport, löst das Mietwagenproblem, gibt archäologischen Kontext an Tell es-Sultan und Hischams Palast und verbindet Jericho in der Regel mit der Taufstätte Qasr el-Jahud und/oder dem Toten Meer.
Kombinationen mit anderen Sehenswürdigkeiten
Jericho + Totes Meer ist die natürliche Ganztagskombination. Die Entfernung von Jericho zum nördlichen Toten-Meer-Ufer beträgt ca. 40 km südlich auf der Route 90 — eine 30–40-minütige Fahrt. Rückweg nach Jerusalem über das Ein-Gedi-Naturreservat möglich. Gesamtschleife: Jerusalem → Jericho → Totes Meer → Jerusalem ≈ 175 km.
Jericho + Qasr el-Jahud fügt dem Jericho-Tag 20–25 Minuten hinzu. Qasr el-Jahud wird von der israelischen Seite aus betreten (kein Zone-A-Problem) und ist ein INPA-Nationalpark.
Jericho + Bethlehem ist als Ganztagstour mit Auto oder geführter Tour möglich, wobei man Bethlehem am Vormittag und Jericho am Nachmittag besucht (oder umgekehrt). Beide sind Zone A — dieselbe Mietwageneinschränkung gilt. Kombitouren existieren.
Praktische Tipps
Dokumente: Reisepass mitführen (keine Kopie). Ein Reisepass ist für den Eintritt in Zone A erforderlich.
Sicherheit und aktuelle Lage: Jerichos Touristenstätten haben eine lange Bewährung bei ausländischen Besuchern. Die Sicherheitslage im Westjordanland kann sich ändern; prüfen Sie immer aktuelle Bedingungen durch die Reisehinweise Ihrer Regierung vor dem Aufbruch. Deutschland: Auswärtiges Amt — Reise- und Sicherheitshinweise für die Palästinensischen Gebiete.
Hitze: Jerichos Jordantal-Lage bedeutet, dass die Temperaturen im Juli und August regelmäßig 40–45°C erreichen — deutlich heißer als Jerusalem oder die Küste. Frühling (März–Mai) und Herbst (Oktober–November) sind für archäologische Erkundungen weit angenehmer. Bei Sommerbesuchen vor 09:00 Uhr ankommen und Freiluftbereiche zwischen 11:00 und 15:00 Uhr meiden.
Öffnungszeiten: Öffnungszeiten (Tell es-Sultan, Hischams Palast, Seilbahn) können saisonal und für Wartungsarbeiten wechseln. Vor dem Aufbruch bestätigen.
Währung: Palästinensische Gebiete akzeptieren sowohl den Neuen Israelischen Schekel (₪) als auch den Jordanischen Dinar (JD); USD wird an touristischen Einrichtungen weitgehend akzeptiert.
Querverweise: Tagesausflüge von Jerusalem · Totes-Meer-Reiseführer · Christlicher Pilgerreiseführer · Autovermietung in Israel