Der Tempelberg / Haram al-Sharif (Hebräisch: הר הבית; Arabisch: الحرم الشريف) ist die am häufigsten angefragte Sehenswürdigkeit in Jerusalem bei internationalen Besuchern — und zugleich die am meisten missverstandene vor der Ankunft. Die Frage „Kann ich den Felsendom besuchen?” bedeutet meistens etwas anderes als das, was vor Ort möglich ist.
Dieser Ratgeber gibt die ehrliche Antwort: Ja, nichtmuslimische Touristen können das Außengelände betreten; nein, Moscheen-Innenräume sind nicht zugänglich; und der Besuch ist Bedingungen unterworfen, die sich ohne Vorwarnung ändern können.
Schnellreferenz
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| Lage | Altstadt von Jerusalem, östlicher Rand |
| Eingang für Nicht-Muslime | Nur Mughrabi-Tor (hölzerne Rampe vom Klagemauer-Platz) |
| Öffnungszeiten (Nicht-Muslime) | Mo–Do + Sa, ca. 7:30–11:00 Uhr & 13:30–14:30 Uhr |
| Geschlossen | Freitags, islamische Feiertage, Ramadan, unangekündigte Schließungen |
| Eintrittsgeld | Kostenlos |
| Moschee-Innenräume | Nicht zugänglich für Nicht-Muslime (keine Ausnahmen) |
| Kleidungsstandard | Vollständige Bedeckung erforderlich; Frauen müssen Haar bedecken |
| Religiöse Gegenstände | Keine Gebetsbücher, Bibeln oder sichtbaren religiösen Symbole |
Was zugänglich ist und was nicht
Der Tempelberg / Haram al-Sharif ist eine große, erhöhte Esplanade — etwa 144 Dunam (14,4 Hektar) — die oberhalb und neben dem Klagemauer-Platz liegt.
Nichtmuslimische Besucher haben Zugang zu:
- Dem Außengelände rund um Felsendom und Al-Aqsa-Moschee
- Dem Felsendom-Außenbau (Nahansichten vom Platz)
- Dem Al-Aqsa-Moschee-Außenbau (vom Platz aus sichtbar; Inneres geschlossen)
- Den Zierbrunnenfontänen, Koranischen Inschriftenbögen und anderen Platzstrukturen
- Aussichten nach Süden über die Altstadt und nach Osten über den Ölberg
Nichtmuslimische Besucher haben KEINEN Zugang zu:
- Dem Inneren des Felsendoms
- Dem Inneren der Al-Aqsa-Moschee
- Jeglichem Gebetssaal oder Moscheeinnenraum auf dem Gelände
- Dem unterirdischen Salomos-Stallungen-Bereich
Diese Unterscheidung ist keine Frage von Reiseveranstalterbedingungen oder Sondergenehmigungen. Kein Zugang zu Moscheeinnenräumen für Nicht-Muslime existiert.
Der Felsendom
Der Felsendom ist das Bauwerk, das die Jerusalemer Skyline auf fast jedem Foto dominiert — die goldene Kuppel, sichtbar vom Ölberg, von Westjerusalem und von den Dachterrassen der Altstadt. Erbaut 691–692 n. Chr. vom Umayyadenkalifen Abd al-Malik ibn Marwan, ist er eines der ältesten erhaltenen islamischen Bauwerke der Welt.
Das Bauwerk schützt und beherbergt den Grundstein (in jüdischer Tradition Even HaSchetijja — der Stein, von dem die Welt erschaffen wurde und der Ort des Allerheiligsten; in islamischer Tradition der Stein, von dem der Prophet Mohammed während der Nachtreise in den Himmel aufstieg).
Vom Platz aus können nichtmuslimische Besucher die Außenkacheln, die Kuppel und die Proportionen des Bauwerks aus nächster Nähe betrachten — typischerweise innerhalb von 20–30 Metern des Bauwerks an den nächstgelegenen Zugangspunkten.
Die Al-Aqsa-Moschee
Al-Aqsa-Moschee (die „Ferne Moschee”) ist die drittheiligste Stätte im Islam und die Hauptkongregationsmoschee des Noblen Heiligtums. Die aktuelle Struktur stammt hauptsächlich aus dem 11.–12. Jahrhundert, obwohl die Moschee mehrfach nach Erdbeben wieder aufgebaut wurde.
Paarverlinkung: Tempelberg ist die jüdische / internationale Bezeichnung; Haram al-Sharif ist die arabische / muslimische Bezeichnung. Beide Bezeichnungen für dieselbe Stätte zu nennen, spiegelt die komplexe und umstrittene Natur des Ortes wider.
Politischer und rechtlicher Status
Der Tempelberg / Haram al-Sharif steht unter israelischer Souveränität (seit 1967, als Israel Ostjerusalem in die israelische Kontrolle aufnahm), unterliegt aber der administrativen Kontrolle der WAQF — des jordanischen islamischen Treuhandinstituts, das die Stätte seit Jahrhunderten verwaltet.
Diese Doppelverwaltungsstruktur bedeutet:
- Israelische Polizei überwacht den äußeren Sicherheitsbereich (Mughrabi-Tor-Zugang, Taschenkontrollen)
- WAQF-Beamte kontrollieren das Verhalten im Inneren des Platzes
- Beide Behörden können den Zugang jederzeit und unabhängig voneinander schließen
Für Touristen: Planen Sie flexibel. Ein Besuch kann an jedem Tag ohne Vorwarnung unmöglich werden. Bauen Sie keine unersetzliche Reisepläne um diesen Besuch herum.
Praktische Besuchstipps
Timingempfehlung: Das erste Morgenfenster (7:30 Uhr) ist in der Regel ruhiger und weniger überfüllt als das Nachmittagsfenster. Mittwochs und donnerstags haben typischerweise kürzere Warteschlangen als Montag und Dienstag. Kommen Sie 20–30 Minuten vor der Öffnungszeit an.
Bestätigung am Vortag: Ihr Hotelempfang oder Reiseführer in Jerusalem sollte in der Lage sein, den Öffnungsstatus für den folgenden Morgen zu bestätigen. Jerusalem-basierte Tourismusportale veröffentlichen gelegentlich Öffnungsstatus, aber keine Quelle ist vollständig zuverlässig.
Kombination mit der Klagemauer: Das Mughrabi-Tor befindet sich direkt über dem Klagemauer-Platz. Die meisten Besucher kombinieren beide Stätten an einem Morgen — zuerst die Klagemauer und Klagemauer-Tunnel besuchen, dann den Tempelberg (wenn er offen ist). Klagemauer-Besucherinformationen für Öffnungszeiten und Tunnel-Buchungen.
Geführte Touren: Ein lizenzierter Führer kann den historischen und religiösen Kontext des Platzes erheblich vertiefen und kennt oft den aktuellen Öffnungsstatus aus erster Hand. Führer müssen vorher arrangiert werden — sie können nicht unabhängig als Touristen eintreten, sobald der nichtmuslimische Zugang schließt.
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