Israel ist vor allem für Wüstencanyons und Strandkultur bekannt — aber in den Hügeln Galiläas liegen zwei Klettersteige, die echte Bergexposition ohne technische Kletterkenntnisse bieten. Dieser Führer stellt beide vor, vergleicht sie und erklärt die Buchung.
Deutschland, Österreich und die Schweiz sind der weltgrößte Klettersteig-Markt — Berchtesgaden, Karwendel, Dolomiten, Rätikon. Israel bietet nun zwei Routen, die auf diese Karte gehören.
Was ist ein Klettersteig?
Ein Klettersteig ist ein Bergpfad mit fixierten Eisentritten, Drahtseilen und Leitern, der das Besteigen von Felswänden ermöglicht, die sonst alpine Kletterkenntnisse erfordern würden. Mit Gurt und einer doppelarmigen Klettersteig-Sicherungsschlinge hängen Sie sich in ein Fixseil; ein Arm bleibt immer eingehängt, wenn Sie zwischen Sicherungspunkten wechseln. Die Technik erlernt man in wenigen Minuten vor Ort.
Israel hat zwei etablierte Klettersteige, beide in Galiläa — der grünen, hügeligen Nordregion, die die meisten Besucher vom See Gennesaret und dem Golanplateau kennen. Keiner erfordert Klettervorerfahrung; beide stellen die gesamte Ausrüstung.
Route 1 — Ramim Cliff (King’s Road Via Ferrata), Kibbuz Menara
Betreiber: Ashdot Extreme (ashdotextreme.co.il)
Lage: Kibbuz Menara, Oberes Galiläa — der Kamm über dem Hulatal, rund 25 km nordöstlich von Rosh Pina
Schwierigkeitsgrad: B/C (der leichtere der beiden israelischen Klettersteige; Betreiber-Bewertung, nicht UIAA-Skala)
Distanz/Dauer: 1,2-km-Runde; 2–3 Stunden inkl. Abseilrutsche
Mindestalter: 12 Jahre
Inkl.: Gurt, Helm, Handschuhe, Instruktor, Seilrutsche
Das Erlebnis
Der Ramim Cliff ist Israels erster Klettersteig, eröffnet 2017. Die Route traversiert den Ramim-Kamm über dem Hulatal — einem breiten, flachen Agrartal, das zugleich eines der weltbesten Vogelbeobachtungsgebiete ist, besonders zur Kranich-Migration (November–Februar). Während man auf Eisentritten und Drahtseil die Felswand erklimmt, öffnen sich Aussichten nordwärts über die Hügel zur libanesischen Grenze und ostwärts auf das Hulatal-Naturschutzgebiet.
Die Route umfasst einen Mix aus Eisentritt-Leitern, horizontalen Seiltraversierungen und kurzen Vertikalaufstiegen. Der anspruchsvollste Abschnitt ist eine fast senkrechte Eisentrittleiter von etwa 15 m — der Instruktor führt vor dem Erreichen durch Fuß- und Handplatzierung. Die Route endet mit einer Seilrutsche ins Tal, die Ashdot Extreme im Paket einschließt.
Kombination: Ein Tag, der den Ramim Cliff mit den Meereshöhlen von Rosh Hanikra (40 km westlich) oder den Quellen des Banias-Naturschutzgebiets (30 km nordöstlich) verbindet, ist machbar.
Route 2 — Via Ferrata Ravid, Kibbuz Ravid
Betreiber: Israel Extreme / Adventure Israel (adventure-israel.com)
Lage: Kibbuz Ravid, Unteres Galiläa — über dem See Gennesaret (Kinneret), ca. 10 km westlich von Tiberias
Schwierigkeitsgrad: C (technisch anspruchsvoller als Ramim; Betreiber-Bewertung, nicht UIAA-Skala)
Distanz/Dauer: ~900 m lineare Strecke; 3–4 Stunden
Mindestalter: 14 Jahre
Inkl.: Gurt, Helm, Handschuhe, Instruktor, mehrere Seilrutschen, Hängebrücken
Das Erlebnis
Via Ferrata Ravid ist Israels längster Klettersteig und der technisch anspruchsvollere der beiden. Die Route erklimmt die Kalksteinfelsen von Har Ravid — einem Kamm, der spektakulär zum Westufer des Sees Gennesaret abfällt. Die Aussichten von den oberen Abschnitten sind außergewöhnlich: Der gesamte Kinneret entfaltet sich in der Tiefe, Tiberias am Westufer, das Golanplateau jenseits des Ostufers und bei klarem Wetter der Hermon im Norden.
Die Route umfasst mehrere Hängebrücken und mehrere in die Felsquerung eingestreute Seilrutschen. Die Stufe C spiegelt längere Schlingensektionen zwischen Sicherungspunkten und einige wirklich ausgesetzte Momente auf schmalen Bändern über der Tiefe wider. Für körperlich fitte Einsteiger bleibt sie machbar, erfordert aber mehr Höhensicherheit als der Ramim Cliff.
Vergleichstabelle
| Kriterium | Ramim Cliff | Via Ferrata Ravid |
|---|
| Schwierigkeit | B/C (leichter) | C (anspruchsvoller) |
| Distanz | 1,2 km Runde | ~900 m linear |
| Dauer | 2–3 h | 3–4 h |
| Mindestalter | 12 Jahre | 14 Jahre |
| Hauptaussicht | Hulatal + Libanon | See Gennesaret + Golan |
| Seilrutsche | Inkl. | Mehrere |
| Für ersten Klettersteig | Empfohlen | Möglich |
Jahreszeiten und Bedingungen
Das Oktober–April-Fenster ist für beide Routen die empfohlene Saison. Galiläa im Sommer (Juni–August) kann 32–38°C erreichen; eine exponierte Felswand unter direkter Sonne ist unangenehm und potenziell gefährlich. Der Winter (Dezember–Februar) bringt gelegentlich Regen und nassen Fels — vor der Anreise Bedingungen beim Betreiber prüfen, da die Routen nach starken Niederschlägen gesperrt werden.
Die ideale Saison ist März–Mai: milde Temperaturen, gute Sicht, und die galiläischen Wildblumen (Anemonen, Zyklamen) in Blüte unterhalb der Felswände.
Kombinierte Tagesstrecken
Option 1 — Oberes Galiläa: Ramim Cliff (Vormittag) + Rosh-Hanikra-Meereshöhlen (Nachmittag) — beide Standorte sind 40 km voneinander entfernt. Ab Nahariya oder Akko anfahren.
Option 2 — Unteres Galiläa: Via Ferrata Ravid (Vormittag) + See Gennesaret (Nachmittag) — der Standort Ravid liegt 10 km von Tiberias. Schwimmen im Kinneret am Kibbuz Maagan am späten Nachmittag.
Weitere Informationen: Wandern in Israel · Abenteuersport in Israel · 3 Tage in Galiläa · See-Gennesaret-Führer